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Sie sind hier: Fokus » Alkoholabhängigkeit » Aktuell 11. Februar 2012
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Alkoholabhängigkeit: „Kontrolliertes Trinken“ als Alternative?
 
Lange Zeit galt die absolute Abstinenz als einziges Ziel zur Behandlung von Alkoholproblemen. Immer mehr Suchtfachstellen bieten nun Programme an, in denen Betroffene sich kritisch mit ihrem Alkoholkonsum auseinandersetzen.

 
Die Methode „Kontrolliertes Trinken“ (KT) ist in letzter Zeit als Behandlungsziel bei Alkoholproblemen in den Vordergrund gerückt.

 

Nach wie vor wird die Methode des „Kontrollierten Trinkens“ unter Fachleuten kontrovers diskutiert und ist wahrscheinlich nicht für jedermann der richtige Weg.

 

Die Befürworter meinen, dass mit der KT-Methode auch Menschen erreicht werden könnten, die der Gedanke der absoluten Abstinenz bis dahin vor einer Suchttherapie abhielt. Den Kritikern hingegen fehlen wissenschaftliche Daten zur KT-Methode, eine Definition der Zielgruppe für die KT-Methode sowie geeignete stationäre Einrichtungen in der Schweiz.

 

Was ist kontrolliertes Trinken?

Beim kontrollierten Trinken wird die Trinkmenge nach einem festgesetzten Trinkplan reduziert. Durch die Reduktion der Trinkmenge kann auch eine Abstinenz erreicht werden. Zusammen mit Fachleuten legen die Teilnehmer die tägliche Konsummenge, die Anzahl alkoholfreier Tage und den wöchentlichen Gesamtkonsum fest. Im Voraus werden Verhaltensregeln und Strategien besprochen und definiert. In der Folgewoche wird die Umsetzung geprüft und Erfolge respektive Misserfolge besprochen.

 

Einwände der Kritiker

Die Kritiker der Methode weisen darauf hin, dass es nach wie vor zu wenig gesicherte Daten gibt, die den langfristigen Erfolg des „Kontrollierten Trinkens“ bestätigen. Auch die Frage, für wen sich die KT-Kurse eignen, ist umstritten. Zudem fehlen den Kritikern der Methode in der Schweiz stationäre Einrichtungen, in denen Behandlungen mit dem Ziel des KT angeboten werden.

 

Stellungnahme der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme SFA

Wichtig sei ein möglichst breites Angebot an Hilfestellungen für Menschen mit Alkoholproblemen. Hier zu gehört auch das „Kontrollierte Trinken“. Die Experten sehen die Methode als möglichen Weg die Risiken des Alkoholkonsums einzudämmen.

 

„Kontrolliertes Trinken“ kann besonders für Menschen geeignet sein, die sich eine totale Abstinenz (noch) nicht vorstellen können, so die Experten.

 

Für Alkoholabhängige ist die Methode eine klare Herausforderung, die Gefahr von Rückfällen ist gross. SFA: „Das „Kontrollierte Trinken“ kann aber als Etappe auf dem Weg zur Abstinenz durchaus erfolgreich sein.“

 

Jeder Betroffene ist ein Individuum und entsprechend muss die Behandlungsmethode gewählt werden. Ausserdem müssen persönliche Umstände wie z.B. Schwangerschaft, Krankheiten, bestimmte soziale Bedingungen etc. mit einbezogen werden. Unter Berücksichtigung dieser Faktoren spricht für die Fachleute der SFA nichts gegen die Methode „Kontrolliertes Trinken“.

 

Studie im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit BAG

Wie andern Suchtexperten, fehlen auch der SFA noch wissenschaftliche Daten zur Methode „Kontrolliertes Trinken“. Das BAG hat dazu eine Studie zur KT-Methode in Auftrag gegeben. Ziel der Studie:

  • 1. Eine Optimierung der Anwendung des KT und die Methode als kostengünstige und wenig invasive Behandlungsmöglichkeit im Bereich Schadensbegrenzung (evidence based) in der Schweiz zu verankern.
  • 2. Missbräuchliche Anwendungen bei ungeeigneten Zielgruppen durch Begriffserklärung und Erstellung von praxisorientierten Empfehlungen zu unterbinden.
  • 3. Entsprechende Ergebnisse in das Suchtweiterbildungsprogramm des BAG und in weitere Präventionsbotschaften einfliessen lassen.
    Quelle zur Studie: Aramis, das Schweizerische Forschungssystem

Lesen Sie hier zum Thema:

  • Angebot der Berner Gesundheit Was ist kontrolliertes Trinken
    mehr >>
  • Konsumkontrolle statt Verzicht auf Alkohol: Pro und Kontra verschiedener Institutionen sowie ein Interview mit Joachim Körkel, der als erster 1999 Kurse zu Kontrolliertem Trinken (KT) angeboten hatte. mehr >>

Quellen:


Mediscope

24.08.2006 - dzu


 

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