Empfehlungen zur Schlaganfallprophylaxe bei Vorhofflimmern
Neue Gerinnungshemmer bieten im Vergleich zur bisherigen Standardtherapie mit Vitamin-K-Antagonisten wesentliche Vorteile, wie eine Studie an über 14'000 Patienten zeigt. Britische Experten empfehlen deshalb, Patienten mit Vorhofflimmern zur Vorbeugung von Schlaganfällen mit dem neuen dafür zugelassenen oralen Gerinnungshemmer zu behandeln.
Mit gerinnungshemmenden Medikamenten kann solchen lebensbedrohlichen Ereignissen vorgebeugt werden. Allerdings müssen diese Medikamente lebenslang und konsequent eingenommen werden.
Das Institute for Healh and Clinical Excellence (NICE) unterzog einen neuen oralen Gerinnungshemmer (Faktor Xa-Hemmer) einer detaillierten Analyse.
Zur Beurteilung dieses neuen oralen Gerinnungshemmers analysierten Experten die Daten einer grossen Studie mit 14'264 Patienten mit Vorhofflimmern und damit erhöhtem Schlaganfallrisiko.
Sie verglichen den neuen oralen Gerinnungshemmer mit der bisherigen Standardtherapie, dem Vitamin-K-Antagonisten Warfarin*. Die Experten interessierte primär, ob der neue orale Gerinnungshemmer bei Patienten mit Vorhofflimmern ebenso gut vor Schlaganfällen, Embolien und schweren inneren Blutungen schützt wie Warfarin. Ausserdem beurteilten die Forscher die Vorteile und Sicherheit für den Patienten sowie das Nutzen-Kostenverhältnis des neuen Wirkstoffes gegenüber der Standardtherapie.
Fazit der NICE-Experten: Der neue Gerinnungshemmer schützt mindestens ebenso gut vor Schlaganfällen wie Warfarin. Gleichzeitig ist er weniger grossen Einschränkungen unterworfen, wie die bisherige Standardtherapie und regelmässige Gerinnungskontrollen entfallen. Wechselwirkungen mit Lebensmitteln oder anderen Medikamenten sind ebenfalls nicht zu erwarten.
Aufgrund dieser Ergebnisse empfiehlt die NICE den neuen oralen Gerinnungshemmer (Faktor Xa-Hemmer) zur Prävention von Schlaganfällen und anderen systemischen Emoblien.
Dazu John Camm, Professor für klinische Kardiologie, Universität London: "Die Verfügbarkeit einer Therapieoption, die keine regelmässige Blutgerinnungsüberwachung erfordert, ist von grosser Bedeutung für die Patienten, die lebenslang auf dies Behandlung angewiesen sind. Damit verbessert sich mit Sicherheit die Lebensqualität der Betroffenen."
Weiter erwarten die Experten, dass das NICE bereits im Juni 2012 auch eine Empfehlung zum Einsatz des neuen oralen Gerinnungshemmers in der Behandlung von tiefen Venenthrombosen und Vorbeugung von wiederkehrenden tiefen Venenthrombosen und Lungenembolien veröffentlichen wird.
*NICE wurde als Sondergesundheitsbehörde des staatlichen Gesundheitsdienstes für England und Wales gegründet und hat die Aufgabe, möglichst umfassende und verlässliche Empfehlungen für Patienten, Mediziner und die Öffentlichkeit zu den aktuellen "Therapiestandards" abzugeben.
*Warfarin ist in der Schweiz nicht im Handel; hier wird hautsächlich ein anderer Vitamin-K-Antagonist (Marcoumar) eingesetzt.
18.03.2013