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Sie sind hier: Fokus » Chronische myeloische Leukämie (CML) » Behandlung 21. Mai 2013
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Chronische myeloische Leukämie (CML) - Neue wirksame Medikamente zur Behandlung

Neue Medikamente gegen CML
Neue wirksame
Medikamente
 
Wahrscheinlich wird am ehesten der Hausarzt - bei entsprechenden Befunden im Blutbild oder anderen auffälligen Befunden - den Verdacht auf eine CML hegen.

 

Für die genaue Diagnostik und Festlegung, respektive Überwachung der Therapie wird der Hausarzt einen Krebsspezialisten (Onkologen) beiziehen. Die gute Zusammenarbeit zwischen Patient, Hausarzt und dem Spezialisten ist Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung.

 

Folgende Therapie-Themen sollen etwas näher beleuchtet werden:

 

Therapie mit Medikamenten

Durch neue, sehr wirksame und gut verträgliche Medikamente ist es heute möglich, die Erkrankung CML über viele Jahre hinweg in Schach zu halten und damit eine gute Lebensqualität für Betroffene zu bewahren. Dies ist für die meisten Patienten das wichtigste Ziel der Behandlung. Dafür von Bedeutung ist ein früher Behandlungsbeginn mit einem möglichst kompletten und raschen Ansprechen auf die Therapie. In den Behandlungsrichtlinien wird ein optimales Ansprechen (siehe auch Therapieansprechen) auf die Therapie wie folgt definiert:

Grundsätzlich wird bei der Behandlung einer Krankheit zwischen Erst- und Zweitlinientherapien unterschieden. Erstlinientherapien kommen bei neu diagnostizierter Krankheit zum Einsatz, Zweitlinientherapien erst dann, wenn die Erstlinientherapien nicht oder nicht mehr genügend wirken, respektive wenn die Erstlinientherapie versagt.

Bis vor einigen Jahren wurde vor allem mit Interferonen, einer ursprünglich körpereigenen Substanz, sowie mit Chemotherapien bei CML behandelt. Später kamen sogenannte Tyrosinkinasehemmer zu den Behandlungsmöglichkeiten hinzu. Diese Medikamentenklasse hemmt  die Vermehrung der Leukämiezellen und kann damit an der Ursache der CML ansetzen.

 

In der Schweiz sind inzwischen drei Tyrosinkinasehemmer auf dem Markt, welche zur Erstlinientherapie zugelassen sind.

 
 

Therapieansprechen

Während des Krankheitsverlaufs wird im Blut und im Knochenmark immer wieder kontrolliert, wie sich die Therapie auf die Vermehrung der Leukämie-Zellen und die Qualität der Blutbildung auswirkt. Das Ziel jeder Therapie ist nicht nur die Beseitigung der leukämischen Zellen im Blut, sondern auch das Verschwinden der Philadelphia-Chromosom sowie der BCR-ABL-Genveränderung in möglichst allen Zellen.

 

Entsprechend unterscheidet man das hämatologische, das zytogenetische und das molekulargenetische Ansprechen:

 

Hämatologisches Ansprechen

Im Blut wird beurteilt, wie gut die Behandlung das Blutbild, d.h. die Bildung der weissen und roten Blutkörperchen sowie der Blutplättchen beeinflusst. Die Normalwerte im Blut sind in folgender Tabelle zusammengefasst:

 

Zu bestimmen

Normalwert
Rote Blutkörperchen (Erythrozyten) Frau: 3.5-5 Millionen pro µl (Mikroliter)
Mann: 4.3-5.9 Millionen pro µl
Hämoglobin (roter Blutfarbstoff) Frau: 120-150 g/l
Mann: 130-170 g/l
Leukozyten (weisse Blutkörperchen) 3200-9800 pro µl, wobei 60-80% Granulozyten
Thrombozyten (Blutplättchen) 130'000-400'000 pro µl
   

 

Im chronischen Stadium der CML sind vor allem die Leukozyten um ein Vielfaches erhöht, allenfalls findet sich auch eine geringere Erhöhung der Blutplättchen. Der Therapieeffekt kann also im Blutbild vor allem anhand des Rückgangs der Leukozyten gemessen werden. Von einem vollständigen hämatologischen Ansprechen spricht man dann, wenn sich das Blutbild unter der Therapie normalisiert (Leukozyten < 10'000 und Blutplättchen < 450'000 pro µl). Kann lediglich eine Besserung des Blutbildes, aber keine Normalisierung festgestellt werden, spricht man von einem partiellen Ansprechen.

 

 

Blutbild links normal rechts CML

Abb: links normales Blutbild, rechts Blutbild bei unbehandelter CML

 

Zytogenetisches Ansprechen

In der Untersuchung des Knochenmarks wird beurteilt, wie stark die Behandlung das Philadelphia-Chromosoms in den weissen Blutzellen zum Verschwinden bringt. Werden in zwei aufeinander folgenden mikroskopischen Untersuchungen des Knochenmarks keine Zellen mit dem Philadelphia-Chromosom gefunden, spricht man von einem vollständigen zytogenetischen Therapieansprechen.

 

Molekulargenetisches Ansprechen

Im Blut können durch die äusserst sensible Untersuchung PCR auch kleinste Restmengen an Zellen mit dem BCR-ABL-Gen nachgewiesen werden. Die Methode ist so genau, dass ein einziges BCR-ABL-Gen auch unter einer Million normalen Zellen identifiziert wird. Von einem kompletten molekulargenetischen Ansprechen spricht man, wenn in zwei aufeinander folgenden PCR -Tests kein BCR-ABL mehr nachweisbar ist. Ist dieses Ziel durch die Therapie erreicht, kann von einer guten Prognose und einer grossen Chance für ein langes krankheitsfreies Leben ausgegangen werden.

 

 

PCR-Methode

PCR-Methode

 

Das untersuchende Labor sollte gemäss Empfehlungen von Experten über eine Zertifizierung verfügen, welche attestiert, dass die PCR-Ergebnisse nach dem Internationalen Standard ausgegeben werden.

 
 

Nebenwirkungen

Jedes wirkungsvolle Medikament kann auch Nebenwirkungen haben. Obwohl die Tyrosinkinasehemmer im Allgemeinen gut - und im Vergleich zu früheren Therapien sogar besser - vertragen werden, können unerwünschte Effekte auftreten. Die meisten Nebenwirkungen sind jedoch mild und können mit einfachen Massnahmen behandelt werden. Wichtig ist, dass beim Auftreten von Nebenwirkungen der behandelnde Arzt rasch informiert wird. Achtung: Die Therapie darf nicht selbständig unterbrochen werden, da sonst der Nutzen eingeschränkt werden kann.

 

Mögliche Nebenwirkungen sind:

  • Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit oder Durchfall
  • Ödeme (Wassereinlagerung ins Gewebe)
  • Müdigkeit, Kopfschmerzen
  • Muskelkrämpfe
  • Hautausschläge, Juckreiz
  • Abnahme der Konzentration von roten Blutkörperchen, weissen Blutkörperchen oder Blutplättchen im Blut

Was im Einzelfall unternommen werden kann, muss mit dem behandelnden Arzt besprochen werden; er hat zusammen mit dem Patienten den besten Überblick über die Erkrankung. Was der Patient zur Linderung von Nebenwirkungen selber tun kann, lesen Sie im Kapitel:  „Leben mit CML“.

 
 

Stammzelltransplantation

Eine Stammzelltransplantation kommt grundsätzlich in zwei Situationen in Frage: Bei jungen Patienten oder wenn die medikamentösen Therapien nicht angeschlagen haben. Die Transplantation kann zur Heilung der CML führen. Es besteht aber ein beträchtliches Risiko, während der Therapie ernsthaft zu erkranken oder zu sterben. Dies ist der Grund, warum von den meisten Betroffenen zunächst eine medikamentöse Therapie bevorzugt wird.

 

Grundsätzlich ist die Transplantation in jeder Phase der CML möglich, die Komplikationsrate und damit die Sterblichkeit steigen aber, wenn die Transplantation  in der Akzelerationsphase oder Blastenkrise erfolgt.

Bei der allogenen Stammzelltransplantation werden Stammzellen von einem Spender mit möglichst guter genetischer Übereinstimmung (HLA-Merkmale) auf den Empfänger übertragen.

 

Vor der Transplantation müssen die eigenen, kranken Stammzellen mit einer hoch dosierten Chemotherapie vernichtet werden. Während dieser Phase - bis einige Wochen nach Transplantation - besteht ein erhebliches Risiko für Infektionen, da das Immunsystem stark geschwächt ist. Zudem muss immer mit einer Abstossungsreaktion gerechnet werden, insbesondere wenn die genetischen Strukturen zwischen Spender und Empfänger nicht ideal übereinstimmen. Diese Abstossungsreaktionen können mit Medikamenten zwar meistens unter Kontrolle gehalten werden, die Lebensqualität ist dann aber häufig beträchtlich eingeschränkt und diese Therapie kann ihrerseits zu Organschädigungen führen.

 
 

Komplementärmedizin

Es ist verständlich, dass sich Menschen mit chronischen Erkrankungen danach sehnen, neben der klassischen, meist als streng empfundenen Krebstherapie auch alternative Massnahmen zu prüfen. Zusatzbehandlung sollten aber immer erst mit dem behandelnden Onkologen besprochen werden, da auch zwischen so genannten „natürlichen“ Produkten und Krebsmedikamenten Wechselwirkungen auftreten können. Unter Umständen können diese den Nutzen der Therapie gefährden. Wichtig: Bedürfnisse mit dem Arzt besprechen, auch wenn die Angst besteht, auf Unverständnis zu stossen.

 
 

Kinderwunsch

Sind jüngere Menschen von der Erkrankung betroffen,  kommt zur Behandlung der Krankheit noch etwas Wichtiges hinzu: die Familienplanung.  Während einer medikamentösen Therapie – die Monate dauern kann – ist eine konsequente Verhütung zwingend. Die Medikamente können ein heranwachsendes Kind im Mutterleib erheblich schädigen.

 

Bei Kinderwunsch gibt es die Möglichkeit, vor der Therapie Spermien oder Eizellen zu konservieren.

 

Ist eine Frau zur Zeit der Diagnose schwanger, kompliziert das die Therapie und ein erfahrenes Zentrum muss die Behandlung leiten.

 

Checkliste für das Gespräch mit dem behandelnden Arzt

So sind Sie über alle wichtigen Punkte rund um Ihre Erkrankung optimal informiert

>> zur Checkliste

 

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06.01.2011 - Dr. Daniel Desalmand, dzu
 
 
 



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