Durchfall, Diarrhoe: Behandlung von akutem und chronischem Durchfall
Die Therapie hängt vom Schweregrad und der Ursache des Durchfalls ab. 98% der akuten Durchfälle müssen nur symptomatisch behandelt werden.
An erster Stelle steht die Rehydratation um die verlorene Flüssigkeit und Elektrolyte (Mineralien) zu ersetzen. Wichtig ist auch das Einhalten einer Diät: Bananen (geben Kalium zurück), weisser Reis in leicht gesalzenem Wasser gekocht.
Durchfallmedikamente auf Basis von Mikroorganismen (siehe Behandlung mit Probiotika >>) haben sich bei verschiedenen Durchfallerkrankungen, insbesondere auch bei Kindern bewährt.
Antibiotika sind bei den meisten akuten (bakteriellen) Durchfällen nicht nötig. Ausnahmen: Bei alten Menschen, bei Säuglingen und Kleinkindern, bei Personen mit Herz- und Gefässerkrankungen sowie Autoimmunerkrankungen (z.B. HIV). Auch Reisedurchfälle oder Durchfälle auf Grund bestimmter Erreger (z.B. Shigellen oder schwere Campylobacter-Infektionen sollten erfahrungsgemäss antibiotisch behandelt werden.
Orale Rehydratationstherapie
Im Rahmen der Choleratherapie entwickelte die WHO eine definierte orale Rehydratationstherapie (WHO-ORS): wässrige Lösung mit Zucker (Glukose), Kochsalz (Natriumchlorid) und anderen Elektrolyten.
|
Orale Rehydratationslösung (ORS) |
|
Auf 1 Liter Trinkwasser:
- 8 gestrichene Teelöffel Zucker
- 1 gestrichener Teelöffel Kochsalz
- 3/4 Teelöffel Backpulver (Natriumbikarbonat), wenn vorhanden
- zur Geschmacksverbesserung und zur Kaliumanreicherung kann das Ganze mit Fruchtsaft abgeschmeckt werden oder zusätzlich 1-2 Bananen essen.
|
|
Rehydrationslösungen können auch in der Apotheke gekauft werden. Neuere Studien der WHO und UNICEF zeigen, dass oralen Salzlösungen (SOR) und orale Rehydratation (ORT) plus orale Gaben von 10 bis 20 mg Zink/Tag während 10 bis 14 Tagen Schwere und Dauer von Durchfällen bei Kindern wesentlich verringern (Padiatrics Vol. 19 No. 5 2008).
Ebenso haben neuere Studien gezeigt, dass vor allem Kindern mit Durchfall keine Limonaden oder Cola zum Trinken gegeben werden sollten. Diese können auf Grund des hohen Zuckergehaltes die Beschwerden verschlimmern. Besser sind un- oder nur leicht gesüsste Tees, Hühnerboullion, Reisschleimsuppe, Kokosnusswasser (besonders in den Tropen von Vorteil weil keimfrei, enthält Salze und Zucker im richtigen Verhältnis!). Siehe auch Reisedurchfall >>
Ein ideales Getränk ist auch die Flüssigkeit, die beim Reiskochen entsteht.
Behandlung des Durchfalls mit Mikroorganismen
- Ein Probiotikum enthält gesundheitsfördernde Mikroorganismen.
- In ausreichenden Mengen oral aufgenommen, können Probiotika einen gesundheitsfördernden Einfluss auf den Wirtsorganismus haben.
- Die am längsten als Probiotika angewendeten Organismen sind Milchsäurebakterien, aber auch Hefen und andere Spezies.
- Darreichung als Zugabe in Lebensmitteln oder in Form von Arzneimitteln.
- Der Einsatz: therapeutisch bei akuten infektiösen Durchfällen oder vorbeugend bei Antibiotikagabe.
- Grundsätzlich sehr gute Verträglichkeit.
Wirkmechanismus von Probiotika:
Es gibt etwa 500 unterschiedliche Arten probiotischer Bakterien. Die bekanntesten sind die Laktobazillus-Arten (Milchsäurebakterien).
Aufgenommen mit der Nahrung oder mit Flüssigkeit, gelangt das Probiotikum in den Darm. Dort wirkt es auf mehreren Ebenen gleichzeitig gegen Durchfall.
Probiotika unterscheiden sich von herkömmlichen Bakterien darin, dass sie nicht in den Körper eindringen und keine Krankheiten auslösen.
Milchsäurebakterien (Laktobazillen) zum Beispiel heften sich an die Saumzellen der Dünndarmschleimhaut und bilden so einen schützenden Biofilm, welcher Durchfallerregern den Platz an der Oberfläche der Darmschleimhaut versperrt.
Es scheint auch, dass Probiotika das köpereigne Immunsystem und die Darmflora günstig beeinflussen. Das Immunsystem produziert mehr Antikörper, das Wachstum der Darmflora wird angekurbelt. Dies beruht untern anderem auf Vitaminen der B-Reihe, welche im Probiotikum vorkommen.
Ausserdem enthalten Probiotika, wie zum Beispiel Lactoferment®, antibakterielle Substanzen. Diese stammen von den Milchsäurebakterien und hemmen Durchfallerreger am Wachstum.
| |
| Mediscope |
| |
| 14.05.2009 - dzu, gem |
| |
 |
| |
 |
|
|
|