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Sie sind hier: Fokus » Haarausfall » Aktuell 21. Mai 2012
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Haarverlust ist Hau(p)tsache
 
Haarverlust hat oft in der Umwelt, dem Lebensstil und nicht zuletzt in der Fehlernährung seine Ursache. Interview der Zürichsee-Zeitungen mit dem Co-Autor des Buches „Hauptsache Haar“ R.M. Trüeb.

Diffuse Alopezie
Immer mehr und jüngere Menschen leiden an Haarverlust. Mehr als drei Viertel der Männer und ein Drittel der Frauen sind davon betroffen. Die häufigste Ursache ist hormonell oder anlagebedingter Haarausfall.

 

Die Zürichsee-Zeitungen befragten den Dermatologieprofessor Ralph M. Trüeb von der Universität Zürich und Co-Autor des Buches “Hauptsache Haar“ zum grössten Tabuthema der Männer und zum Kummerthema Nummer eins der Frauen.

 

Dabei standen im Zentrum der Diskussion die Ursachen des Haarausfalls wie: der Einfluss der Umwelt, der Einfluss des modernen westlichen Lebensstils und der Haarausfall durch Mangelernährung.

 

ZSZ: Welches sind die hauptsächlichen Ursachen für das Phänomen?

 

Ralph M. Trüeb: Zu den natürlichen Schädigungen gehören die Abnutzungsprozesse: Reibungsschäden durch Kämmen und Bürsten, Toupieren, Sonneneinwirkung sowie chemisch-kosmetische Prozesse beim Färben oder beim Formen der Frisur.

 

Bei normalem Haar ist die Haarabnutzung am Auffälligsten an den Spitzen des Kopfhaars. Sie erscheinen glanz- und farblos. Vor allem lange Haare können zusätzlich eine Ausfransung am Ende aufweisen (sogenannte Spliess). In schweren Fällen ist das Haar trocken, spröde, glanzlos und schwer kämmbar.

 

Eine Reihe von Haut- und Haarproblemen haben Umweltreize zur Ursache: physikalisch-chemische und andere Schadstoffe, Klimabedingungen, mikrobielle Besiedlung, seelische Konflikte, Leistungsdruck, sogenannte Stressoren.

 

Über den Einfluss von Lärm- oder Zigarettenrauchimmissionen liegen Resultate aus Tierversuchen vor. Am Institut für Hygiene und Präventivmedizin der Universität Genua konnte gezeigt werden, dass Mäuse, die Tabakrauch ausgesetzt wurden, innerhalb von drei Monaten Haarausfall entwickelten.

 

Berliner Dermatologen setzten Mäuse Lärmbelastungen aus und untersuchten danach die Haarfollikel. Sie folgerten aus den Resultaten, dass Lärm (Stressor) das Haarwachstum nachteilig beeinflusst.

 

ZSZ: Können Haarprobleme auch mit der Haut zu tun haben?


Ralph M. Trüeb: Stressoren können durch spezifische Veränderungen Hautkrankheiten zum Ausbruch bringen: z.B. durch übermässiges Schwitzen und durch Überfettung der Kopfhaut. Dadurch kann es zu Ekzemkrankheiten (Neurodermitis, seborrhoisches Ekzem), Kopfschuppen und Missempfindungen  an der Kopfhaut kommen.

 

Eine 1998 in Kentucky durchgeführte Untersuchung an 25 gestressten Frauen mit ungeklärtem Haarausfall zeigte auf, dass Stress ein elfmal höheres Risiko bedeutet, Haarausfall zu erleiden. Den Frauen wurden 25 nicht gestresste Frauen gegenübergestellt.

 

ZSZ: Welchen Einfluss haben Vitamine?


Ralph M. Trüeb: Das wachsende Haar  braucht ausreichend Sauerstoff, Aufbaustoffe (Eiweisse) und Ko-Faktoren (Vitamine und Spurenelemente). Ein Mangel an Biotin (Vitamin H), Vitamin B12, essentiellen Fettsäuren (Vitamin F), Protein/Energie, Eisen, Zink und Kupfer kann zu Haarveränderungen und/oder Haarausfall führen.

 

Protein/Energie-Mangel ist häufig das Resultat von einer unzureichenden Nährstoffzufuhr in Folge von Drogen- oder Alkoholmissbrauch, Depression oder Isolation (meist bei älteren Menschen). Bei Frauen ist der Eisenmangel eine häufige Ursache für diffusen Haarausfall.


ZSZ: Kann man über die Ernährung vorbeugend wirken?


Ralph M. Trüeb: Im Kleinkindesalter ist der Eisenbedarf durch milch- und getreidereiche Nahrung nicht zu decken. Hier sollte man Eisen zusätzlich verabreichen.

 

Durch  „Junk Food“, der oft von den Jugendlichen bevorzugt wird, kann ebenfalls ein Eisenmangel entstehen.

 

Bei älteren Menschen kann eine einseitige Nahrungsaufnahme, sei es aus Teilnahmslosigkeit oder durch das Tragen eines schlechten Gebisses,  ebenfalls zu Eisenmangel kommen.

 

Die in den Apotheken frei erhältlichen Nahrungsergänzungsmittel (Vitamin-B-Komplexe, Zystin) werden immer beliebter und fleissig konsumiert. Sie sollten aber nicht nur zur Prophylaxe bei  der androgenetischen Alopezie eingenommen werden.

 

ZSZ: Wann empfehlen Sie eine Konsultation beim Spezialisten (Dermatologen)?

 

Ralph M. Trüeb:

  • bei familiärer Veranlagung
  • bei vermehrten Haaren im Abfluss beim Duschen
  • bei Geheimratsecken
  • beim Zurückweichen der Stirnhaare
  • beim Auslichten der Haare im Wirbelbereich (kreisförmige Auslichtung auf der Kopfhöhe)

Zürichsee-Zeitung; Jeanette Studer, R.M. Trüeb Co-Autor des Buches „Hauptsache Haar“

16.06.2004 - dzu


 

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