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Sie sind hier: Fokus » Nahrungsmittel: Allergie, Unverträglichkeit » Krankheitsbilder 11. Februar 2012
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Gluten-Unverträglichkeit, Zöliakie, Sprue

Definition Untersuchungsmöglichkeiten
Ursachen Behandlungsmöglichkeiten
Beschwerden (Symptome)

Prognosen

 

Definition

Zöliakie nennt man die chronische Erkrankung, welche durch Unverträglichkeit von Gluten (Klebereiweiss) im Essen verursacht wird. Gluten ist ein Bestandteil von verschiedenen Getreidearten wie: Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Dinkel, Kamut, Grünkern, Einkorn und Emmer.

 

Wegen dieser Unverträglichkeit kommt es zu Schleimhautschädigungen und Schädigungen der Dünndarmzotten. Dadurch können verschiedene Nährstoffe (z.B. Vitamine, Mineralien, Kohlenhydrate, Fette) nur noch bedingt oder gar nicht mehr aufgenommen (Malabsorption) werden.

 

Der rigorose lebenslange Verzicht auf Gluten-haltige Speisen kann die Schleimhautfunktion wieder herstellen und erhalten.

 

Die Zöliakie gilt in den westlichen Ländern als die häufigste Erkrankung, die mit einer Malabsorption einhergeht. Während die Krankheit früher v.a. im Kindesalter diagnostiziert wurde, wird die Diagnose heute zunehmend auch im Erwachsenenalter gestellt.

 

Epidemiologische Daten

Neueren Studien zur Folge wird die Anzahl der Zöliakie-Erkrankungen in Europa und Nordamerika auf 1:100-500 Menschen. Für die Schweiz sind keine verlässliche Daten dazu bekannt. Forscher fanden bei einer Untersuchung von 2'000 Schülern aus der Ostschweiz bei einem pro 132 Schülern Antikörper gegen Gluten im Blut, was auf eine Unverträglichkeit hinweist (siehe Untersuchungen).

 

Experten schätzen, dass die Häufigkeit der Gluten-Unverträglichkeit in Europa zunimmt und bis zum Ende des 21. Jahrhunderts bereits 1:66 bis 1:300 betragen wird (4).

 
 

Ursachen

Die Gluten-Unverträglichkeit wird vererbt, die Ursachen sind aber nach wie vor nicht klar.

 

Risikogruppen

Verwandte 1. und 2. Grades.


Folgende Erkrankungen scheinen häufiger mit Zöliakie im Zusammenhang zu stehen:

  • Zuckerkrankheit Typ II, Diabetes mellitus Typ II
  • Milchzuckerunverträglichkeit, Laktoseintolleranz
  • Knochenschwund, Osteoporose
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • Rheumatoide Arthritis
  • Downsyndrom

 
 

Beschwerden (Symptome)

Je nach Alter des Menschen sind die Beschwerden unterschiedlich.

 

Kleinkind

  • Gewichtsverlust
  • Wachstumsverzögerung
  • Entwicklungsverzögerung
  • Durchfälle, Blähungen
  • Empfindlichkeit, Gereiztheit (Weinerlichkeit)

Kinder und Jugendliche, Erwachsene

  • Gewichtsverlust, chronisches Untergewicht
  • Chronische, unklare Durchfälle (massige Fettstühle) und Blähungen, abwechselnd mit Verstopfungen
  • Übelkeit, Bauchschmerzen
  • Wasseransammlung im Bindegewebe
  • Müdigkeit und Erschöpfungszustände (durch Eisenmangel Link verursacht)
  • Knochenschmerzen
  • Depressive Verstimmungen
  • Es kann zu Hauterkrankungen kommen (Dermatitis herpetiformis Duhring)

 
 

Untersuchungsmöglichkeiten

  • Krankengeschichte unter Einbezug der Symptome und der Familiengeschichte und /oder anderen chronischen Erkrankungen (siehe Risikogruppen).
  • Gewebeprobe mittels Darmspiegelung.
  • Blutproben zum Nachweis von Antikörpern. Ein negativer Antikörpertest schliesst eine Zöliakie nicht aus.

Wichtig ist, dass vor den Untersuchungen KEINE Gluten-freie Diät gemacht wird, da es sonst zu falsch-negativen Resultaten kommen kann.

 
 

Behandlungsmöglichkeiten

Die einzige Behandlung ist ein rigoroser, lebenslanger Verzicht auf glutenhaltige Lebensmittel. Gluten findet sich in Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Dinkel, Kamut, Grünkern, Einkorn und Emmer.

 

Folgende Lebensmittel können solche Getreidearten und somit Gluten enthalten:
Brot, Zwieback, Nudeln, Desserts, Müsli, Saucen , Fertiggerichte (z.B. auch Fertigpizzas, Tortellini), Fertigteige oder panierte Sachen.

 

Folgende Nahrungsmittel enthalten KEIN Gluten:
Reis, Hirse, Mais, Kartoffeln, Sojabohnen, Fleisch, Milch, Obst, Gemüse, Eier und Gebäck aus Maismehl.

 

Wichtig ist der konsequente Verzicht auf Gluten, auch wenn zur Zeit keine Beschwerden vorhanden sind. Auch nach Jahren ohne Beschwerden kann glutenhaltige Kost zu Spätfolgen führen, die zu schweren Erkrankungen (z.B. Darmkrebs, Osteoporose) führen können.

 
 

Prognosen

Bei konsequenter, lebenslanger gluten-freier Ernährung ist die Lebenserwartung gleich hoch wie bei Menschen ohne Zöliakie.

 

Linkempfehlung

Quellen zu den epidemiologischen Daten:

1. Hoffenberg EJ, Emery LM, Barriga KJ et al. Clinical features of children with screening-identified evidence of celiac disease. Pediatrics 2004; 113: 1254–9.
2. Fasano A, Catassi C. Current approaches to dignosis and treatment of celiac disease: en evolving spectrum. Gastroenterology 2001; 120: 636–51.
3. Rutz R, Ritzler E, Fierz W, Herzog D. Prevalence of asymptomatic celiac disease in adolescents of eastern Switzerland. Swiss Med Wkly 2002; 132: 43–7.

4.Farrell RJ, Kelly CP. NEJM 2002;346:189-195

 
Mediscope - dzu
Die Informationen wurden von Fachpersonen recherchiert und für Sie aufbereitet, erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ersetzen in keinem Fall den Arztbesuch.
     
04.10.2006
 
 
 



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