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Die Schweiz kennt kein nationales Abgabeverbot für Tabakprodukte an Kinder und Jugendliche. 17 Kantone haben bis heute eine Altersgrenze eingeführt; in sechs Kantonen liegt sie bei 18 Jahren, in den übrigen bei 16 Jahren. Die Waadt führte Anfang 2006 als erster Kanton das Abgabealter von 18 Jahren ein, gleichzeitig setzte Luzern als erster Kanton die Altersgrenze bei 16 Jahren an.
Waadt war Pionier
"Verkaufsverbote von Tabakwaren an Kinder und Jugendliche sind ein wichtiges Präventionsinstrument. Sie können den Konsumeinstieg verhindern oder hinauszögern", erklärt Michel Graf, Direktor von Sucht Info Schweiz. Voraussetzung ist, dass die Vorschriften beachtet werden. Dies trifft bis heute nur unzureichend zu. Testkäufe der früheren SFA – heute Sucht Info Schweiz – zeigten im Herbst 2007 für die Waadt, dass das Gesetz in über 85% der Fälle nicht beachtet wurde. Diese Besorgnis erregende Bilanz hat sich inzwischen leicht verbessert wie die jüngsten Testkäufe zeigen: Im Herbst 2009 waren gut 82% der Verkaufsstellen bereit, den 14- bis 17-jährigen Testpersonen die Zigaretten auszuhändigen.
Etwas weniger nachlässig als die übrigen Geschäfte erwiesen sich die grossen Ladenketten. Wie schon zwei Jahre zuvor waren aber etwa 55% bereit, die Zigaretten zu verkaufen. Aufgeholt haben die Tankstellenshops. Nur 22% der Shops haben das Abgabeverbot eingehalten; im 2007 waren es noch rund 5%. "Diese Verbesserung, obwohl sie noch nicht überzeugt, ist vermutlich auf die Unterstützung und Fortbildung des Verkaufspersonals zurückzuführen", sagt Michel Graf. Ein Ausweis wurde in knapp 24% aller getesteten Verkaufsstellen verlangt. Erstaunlich bleibt, dass mehr als ein Viertel davon die Zigaretten dennoch aushändigen wollte.
Situation in Freiburg
Der Kanton Freiburg kennt erst seit Anfang 2009 ein Verkaufsverbot von Tabakprodukten an unter 16-Jährige. Gleichzeitig wie in der Waadt hat Sucht Info Schweiz gemeinsam mit der Fachstelle Tabakprävention Freiburg Testkäufe durchgeführt. Die 14- und 15-jährigen Testpersonen haben im letzten Herbst über 300 Testkäufe absolviert. Gut zehn Monate nach Inkrafttreten wurde das Abgabeverbot in 19% der Fälle eingehalten. Auch hier beachten die grossen Ladenketten und Tankstellenshops den Jugendschutz besser als die übrigen Geschäfte. In 28% der Fälle hat das Personal einen Ausweis verlangt, trotzdem wurde wiederholt in den Verkauf eingewilligt.
Was zu tun bleibt
"Die Resultate dieser Testkäufe sind äusserst unbefriedigend. Es braucht weitere Anstrengungen, damit der Jugendschutz greift", betont Michel Graf. Waadt und Freiburg wollen die Information intensivieren und für mehr Alterskontrollen sorgen. So setzen beide Kantone Plakate ein, welche auf die Altersgrenze hinweisen. Erhältlich sind diese bei der jeweiligen kantonalen Fachstelle Tabakprävention. Angeboten werden auch Informationsbroschüren und Altersberechnungstabellen zur Unterstützung des Verkaufspersonals sowie Fortbildungen. Im 2011 wollen sowohl der Kanton Waadt als auch der Kanton Freiburg die Testkäufe wiederholen.
Experten besorgt: 39% der Jungendlichen Rauchen
Laut einer aktuellen Umfrage des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) stagniert die Zahl der Raucherinnen und Raucher in der Schweiz im Jahr 2009. Damit liegt der Raucher-Anteil der Schweizer Wohnbevölkerung bei 27%. Nach wie vor rauchen Frauen (23%) deutlich weniger als Männer (31%). Am häufigsten zu einer Zigarette oder anderen Raucherwaren greifen die 20- bis 24- Jährigen. In dieser Altersgruppe rauchen 44% aller Männer und 34% der Frauen - oder insgesamt 39%. Im Vergleich zum Jahr 2008 ist dies ein Prozent mehr.
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