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Sie sind hier: Fokus » Prostatakrebs » Aktuell 02. September 2010
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Komplementärmedizin in der Urologie
 
Im Vorfeld des Deutschen Urologenkongresses im September äussern sich Experten zu Präventions- und Behandlungsmöglichkeiten sowie den Grenzen und Grauzonen der Komplementärmedizin in der Urologie.

 

Um der Bedeutung der Komplementärmedizin in der Urologie Rechnung zu tragen, hatte die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) bereits vor Jahren einen entsprechenden Arbeitskreis gegründet.

 

Dort wird die unüberschaubare Flut an naturheilkundlichen Angeboten und Empfehlungen durchaus kritisch gesehen, denn oft mangelt es an der notwendigen Seriösität.

 

Erstmal sei klar, dass seriöse Komplementärmedizin ein Bereich der wissenschaftlichen Medizin sei. Komplementärmedizin ist eine Ergänzung zur Schulmedizin und wer dies seriös betreiben will, der müsse seine Verfahren oder Präparate der Wissenschaft zur Prüfung darlegen. Nur so kann die Komplementärmedizin sich von anderen alternativen Heilpraktiken in der Grauzone unterscheiden, so der Vorsitzende des DGU-Arbeitskreises Prävention, Umwelt- und Komplementärmedizin.

 

Beispiel Impotenz und Inkontinenz

Beide Erkrankungen können heute in der Urologie seriös behandelt werden, dafür braucht es keine dubiosen Präparate aus dem Internet. Fragwürdige Hilfsmittel zum Beispiel verführen ältere Frauen, die unter Inkontinenz (unwillkürlichem Harnverlust) leiden, dazu, erst eine Palette alternativer Methoden durchzuprobieren und sich erst danach in die urologische Abklärung zu begeben. Das kostet viel Zeit und noch mehr Geld.

 

Komplementärmedizin bei Prostatakrebs

Experten sind sich einig: Wenn Komplementärmedizin in der Urologie positiv zur Wirkung kommt, dann bei Prostatakrebs und zwar einerseits zum wissenschaftlichen Verständnis von Prostatakrebs sowie zur Prävention. Die richtige Ernährung steht dabei im Vordergrund und zwar wohl zur Primärprävention – das heisst Verhütung des Krebses – als auch zur Sekundärprävention – das heisst zur günstigen Entwicklung der Erkrankung. Andere alternative Verfahren wie Magnetfeld- bis Bach-Blütentherapie, aber auch Akupunktur spielen in der Urologie praktisch keine Rolle.

 

Nahrungsergänzung: Selen und Vitamin E

Die wohl grösste Studie über die krebsvorbeugende Wirkung von Selen und Vitamin E mit mehr als 35'000 Männern ab 50 musste 2008 nach 7 Jahren abgebrochen werden - die erhofften Ergebnisse traten nicht ein. Im Gegenteil: Es bestand der Verdacht, dass die täglich verabreichten 400 Milligramm Vitamin E das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken, begünstigten. Die 200 Mikrogramm-Tagesdosis Selen schien ausserdem das Diabetesrisiko zu erhöhen.

 

Komplementärmedizin und ihre Grenzen

In Amerika, wo es eine unüberschaubare Zahl frei erhältlicher Präparate gibt, welche zum Teil unkontrolliert geschluckt werden, kam es deshalb schon zu Todesfällen. Pflanzliche Substanzen können zum Teil nur gefahrenlos in chemisch abgewandelter Form genommen werden. Sie werden zum Teil in Chemotherapien eingesetzt. Andere Studien haben auch belegt, dass selbst „harmlose“ Vitamine in höheren Dosen hohe Risiken bergen. Die Experten warnen auch aus diesem Grund und auf Grund möglicher Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten vor Selbstmedikationen. Es ist wichtig, dass der behandelnde Arzt über jegliche zusätzliche oder vorausgegangene komplementäre oder alternative Heilmethode informiert ist.

 

Krebsvorbeugung und Ernährung

Seit den 90er Jahren wird nach einfachen Mitteln zur Krebsvorbeugung gesucht. In diesem Zusammenhang stehen auch die Resultate einer griechischen Studie aus dem Jahr 2003, welche die mediterrane Ernährung in den Bezug zur Lebenserwartung setzte.  Mit der Mittelmeerdiät - viel pflanzliche Kost und ungesättigte Fette des Olivenöls, mehr Fisch als Fleisch und weitgehender Verzicht auf gesättigte Fette – wird das Leben eines 60-jährigen Mannes um ca. ein Jahr verlängert. Aber auch hier: Wunder darf man nicht erwarten, zumal sich auch die gesunden mediterranen Produkte verändert haben und andere Faktoren wie Stress, Alkohol, Nikotin und Bewegungsmangel nicht einfach durch die gesunde Ernährung kompensiert werden können.

 

Nahrungsergänzungsmittel als Ersatz für gesunde Ernährung?

Natürliche Vitamine und Spurenelemente können niemals durch Präparate ersetzt werden, da diese nicht so gut vom Körper aufgenommen werden wie natürliche Lebensmittel. Viele Nahrungsergänzungsmittel enthalten ausserdem Substanzen, welche zu unerwünschten Wechselwirkungen mit bestehenden Therapien führen können.

 

Beta-Carotin schützt nicht vor Krebs

Weder das in der Tomate enthaltende Lycopin noch Beta-Carotin erwiesen sich als gute Präventionsmassnahme gegen Krebs, was in Studien des Krebsinstitutes der USA 2007 belegt wurde. Im Gegenteil: Beta-Carotin, ein Lycopin-verwandter Oxidationshemmer, schien das Risiko für Prostatakrebs zu erhöhen.

 

Ganzheitliches Gesundheitstraining kann nicht ersetzt werden

Die Möglichkeiten der Komplementärmedizin in der Urologie sind vielfältig, hauptsächlich im Bereich der gesunden Ernährung, darüber sind sich die Experten einig. Informationen dazu werden allerdings von Seiten der Patienten eher seltener verlangt und deshalb sind die Urologen gefordert, diese Informationen anzubieten. Zumal: Die Hälfte der heutigen typischen Patienten in der Urologie gehört der Generation an, welche sich noch nicht so stark um gesunde Ernährung oder um komplementäre Verfahren gekümmert hat.

 

Aber auch der Abbruch der Selen/Vitamin E Studie darf nicht dazu führen, die gesamte komplementäre Bewegung zu begraben. Jeder vielversprechende Ansatz müsse Verfolgt und auf Wirksamkeit überprüft werden. Denn: Schlussendlich ist es egal, aus welcher Richtung die Therapie kommt, solange die Therapie hilft.

 

Unter diesen Vorzeichen wird Komplementärmedizin denn auch beim 62. DGU-Kongress vom 22. bis 25. September 2010 (www.dgu-kongress.de) in Düsseldorf ein Thema sein.

 

Mehr zum Thema


dgu-kongress.de

25.03.2010 - dzu


 

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