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Sie sind hier: Fokus » Prostatakrebs » Aktuell 11. Februar 2012
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Prostatabeschwerden – Neuste Empfehlungen
 
Beschwerden der Harnwege (lower urinary tract symptoms: LUTS) nehmen bei etwa 30% aller über 65-jährigen Männer ein behandlungsbedürftiges Ausmass an. Im Folgenden finden sich die Empfehlungen zur Behandlung der Symptome des britischen National Institute for Health and Clinical Excellence (NICE).

 
Leider zögern vor allem die Männer meist zu lange, bei Beschwerden des Harntrakts ärztliche Hilfe anzufordern. Dabei kann nach gründlicher Abklärung meist erfolgreich mit Medikamenten oder chirurgischen Eingriffen geholfen werden.

 

Die Prostatabeschwerden - auch LUTS genannt - werden in drei Stadien eingeteilt:

  • Speicherung des Urins: Harndrang, erhöhter Harndrang während des Tages, nächtlicher Harndrang, unkontrollierter Urinabgang (Inkontinenz)
  • Entleerung: Mühe zu Beginn beim Urinieren, häufig nur unter Pressen möglich, schwacher oder gespaltener Harnstrahl (Sprühstrahl), unterbrochener Harnstrahl, Tröpfeln am Ende
  • Nach Urinieren, wenn die Blase erneut zum Speichern übergeht: Tröpfeln nach Urinieren, Gefühl der unvollständigen Entleerung

 

Was passiert beim Arzt?

  • Ausführliche Krankengeschichte: Zunächst muss die Grundursache festgestellt werden, auch eventuelle Krankheiten, die zu Beschwerden der Harnwege führen können.
  • Angabe zu Medikamenteneinnahme (auch solche auf pflanzlicher Basis wie zum Beispiel Kürbissamenextrakt etc.).
  • Körperliche Untersuchung: Dazu gehören die Inspektion des Bauchs (Abdomen), Untersuchungen der äusseren Genitalien sowie des Enddarms.

Männer mit starken oder komplizierten Symptomen werden zur weiteren Abklärung und Behandlung meist an den Spezialisten (Urologen) weitergewiesen.

 

Bei folgenden Symptomen wird eine Blasenspiegelung (Zystoskopie) empfohlen:

  • Wiederkehrende Harnwegsinfekte
  • Eiter oder Blut im Urin
  • Schwere Beschwerden und Schmerzen

 

Bildgebende Verfahren werden eingesetzt bei:

  • Chronischem Harnverhalten (Zurückbleiben von Resturin)
  • Hinweisen auf Infekte sowie Blut im Urin

 

Wie können Beschwerden des Harntrakts behandelt werden?

Zunächst empfiehlt es sich, ein „Urinier-Tagebuch“ zu führen: Wie häufig, wie viel , Harnstrahl-Qualität etc. siehe auch „Stadien der Harntraktbeschwerden“.

 

Männern mit einem Problem der Speicherung des Urins (Inkontinenz) wird zunächst das Tragen von Einlagen empfohlen, damit tägliche Aktivitäten weitergeführt werden können; dies bis zur Sicherstellung einer Diagnose und dem Beginn einer Behandlung.

 

Bei moderaten Beschwerden, welche nicht wirklich als störend empfunden werden, können Erklärungen über mögliche Ursachen der Beschwerden sowie  Empfehlungen für allgemeine Massnahmen – z.B. Anpassung der Flüssigkeitsaufnahme - bereits beruhigend wirken. Sollten sich Beschwerden zum Schlechteren verändern, muss erneut der Arzt konsultiert werden.

 

Bei einer hyperaktiven Blase (vermehrter Harndrang) können ein spezielles Blasentraining sowie allgemeine Massnahmen wie Optimierung der Flüssigkeitsaufnahme (auch Kaffee und Alkohol) sowie das Tragen von Einlagen helfen.

 

Möglichkeiten der medikamentösen Behandlung

Bei mittelschweren bis schweren Symptomen werden meist Alphablocker eingesetzt. Männer mit einer hyperaktiven Blase werden mit einem Anticholinergikum behandelt, wobei die NICE hier keine Empfehlungen abgibt.

 

Möglichkeiten der chirurgischen Behandlung

Bei Harnentleerungssymptomen wegen einer gutartigen Prostatavergrösserung gibt es verschiedene chirurgische Massnahmen.

 

Erwähnt wird, dass sogenannte minimalinvasive Verfahren wie Nadelablationen, Mikrowellenbehandlungen, Ultraschall, Laserbehandlungen bis heute keine wirklich belegte Alternativbehandlungsmethoden seien gegenüber den grösseren Operationen wie Prostataentfernung via Harnröhre, Laservaporisation und andere Verfahren. Bei den Alternativbehandlungen fehlen die Wirkungsbelege.

 

Die männliche Psyche

Nebst den körperlichen Aspekten, welche die Harnproblematik betreffen, dürfen die Psyche, die Sexualität sowie die soziale Situation nicht vergessen werden. Hier weist die NICE auf den Nutzen von entsprechenden Selbsthilfegruppen hin.

 

Leider ist es vielen Männern heute immer noch peinlich, diese Beschwerden mit dem Arzt zu besprechen, obwohl die Langzeitauswirkungen sowie eine empfundene Stigmatisierung sich auf die Lebensqualität oft sehr negativ auswirken.

 

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Rosenfluh Publikationen, Ars Medici Nr. 17 2010

30.08.2010 - dzu


 

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