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Sie sind hier: Fokus » Wechseljahre » Aktuell 11. Februar 2012
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Alternativen zum Hormonersatz nach Wechseljahren wenig effektiv
 
Viele Nahrungsergänzungsmittel gegen klimakterische Beschwerden helfen wenig. Auch die Wirkung von Phytotherapeutika wird im Fachblatt ArsMedici nach Analyse verschiedener Studien als niedrig beschrieben.

Frau Menopause Klimakterium
 
Zur Beurteilung der Wirkung von Therapien gegen klimakterische Beschwerden mit Nahrungsergänzungsmitteln fehlen häufig Studien, deren Methodik aktuellen Kriterien entsprechen (zu kleine Anzahl Teilnehmer, zu kurze Studienzeit, keine Verblindung oder Plazebokontrolle etc.).

 

Auch über Nebenwirkungen und Sicherheitsaspekte weiss man häufig wenig. Zudem werden teilweise Kombinationspräparate angeboten, was bei fehlenden Kenntnissen über die Wirkungsweise und die Effektivität der Einzelstoffe die Beurteilung noch zusätzlich erschwert.

 

Das Angebot und die Anwendung von Nahrungsergänzungsmitteln zur Behandlung klimakterischer Beschwerden nimmt dennoch seit Jahren kontinuierlich zu.

 

Im Folgenden eine Zusammenfassung der Datenanalyse aus dem Fachblatt ArsMedici Nr. 1 2009.

 

Nahrungsergänzungsmittel, Phythotherapeutische Präparate

Isoflavone

Zwei der wichtigsten Isoflavonquellen sind Soja und Rotklee. Isoflavone werden unter anderem bei Scheidentrockenheit und gegen Hitzewallungen eingesetzt. In zirka einem Viertel der vorliegenden Studien reduzierten Isovlaon- Supplement-Präparate Hitzewallungen besser als Plazebo. Die Wirkeffektivität entspricht nicht der einer Hormonersatztherapie.

 

Rotkleepräparate zeigten in methodisch sehr guten Studien keinen Effekt bei Hitzewallungen. Für Sojapräparate waren die Ergebnisse uneinheitlich, auch bei Studien mit höchster Qualität.

 

Insgesamt scheint die Wirkung von Isoflavonen auf klimakterische Beschwerden gering zu sein. Ein Versuch kann sich allerdings lohnen, da das Ansprechen sehr individuell ist. Tritt nach 8-12 Wochen keine Verbesserung der Symptome auf, kann die Behandlung abgebrochen werden.

 

Isoflavone-Kombipräparate mit Inulin werden heute häufig bei Scheidentrockenheit angeboten. Dank Inulin soll der Körper Isoflavone besser aufnehmen. Eine Studie hat 12 Frauen nach der Menopause untersucht. Resultat: Es fanden sich höhere Werte von Daidzein und Genistein im Blutplasma, was bedeutet, dass die Isoflavone tatsächlich besser aufgenommen wurden. Daidzein und Genistein finden sich auch in Sojaprodukten.

 

Andere Studien konnten nicht miteinander verglichen werden, da die Kombinationen in ihrer Zusammensetzung zu stark variierten.

 

Traubensilberkerze und Johanniskraut

Nur einige wenige plazebokontrollierte Studien zeigten eine deutliche Überlegenheit der Traubensilberkerze (Cimifua rademosa) gegenüber Plazebo (Scheinmedikament). Bei leichten Beschwerden ist ein zufriedenstellender Effekt möglich. Bei überwiegend psychischen Symptomen kann die Kombination mit Johanniskraut sinnvoll sein. Die Wirkung tritt nach ca. 2-4 Wochen Behandlung auf.

 

Dong Quai (Angelica sinensis L.)

Dong Quai wird in der chinesischen Medizin bei Frauenkrankheiten und überwiegend in Kombinationen eingesetzt. Eine Studie, die Dong Quai mit Plazebo verglich, zeigte keinen Effekt auf klimakterische Beschwerden.

 

Yamswurzel (Dioscorea villosa)

In einer plazebokontrollierten Studie konnte über drei Monate keine Wirkung auf klimakterische Beschwerden nachgewiesen werden. Nachtkerzenöl (Oenothera biennis L.) Eine plazebokontrollierte Studie konnte über sechs Monate Therapiedauer ebenfalls keine Linderung klimakterischer Beschwerden zeigen.

 

Ginseng (Panax ginseng)

Auch für Ginseng besteht bei limitierter Datenlage kein Hinweis für die Reduktion von Hitzewallungen. Ginkgo, Lakritze, Baldrian, Hopfen Für alle diese Substanzen existieren keine Studien.

 

Vitamin E

Erste Studien gibt es bereits seit 1953: Danach war kein wesentlicher Effekt von Vitamin-E-Therapien auf die klimakterischen Beschwerden belegt worden, auch nicht nach Dosissteigerungen in späteren Studien. In einer im Jahr 2007 veröffentlichte Studie mit 51 Frauen nach den Wechseljahren erhielten die Teilnehmerinnen zunächst eine vierwöchige Therapie mit Plazebo (Scheinmedikament); danach eine Woche keine Therapie und anschliessend eine vierwöchige Vitamin-E-Therapie mit 400 IE Vitamin E/Tag.

 

Resultat: Häufigkeit und Schweregrad der Hitzewallungen nahmen unter Vitamin E signifikant deutlicher ab als in der Plazebozeit. Eine vierwöchige Therapie ist jedoch für den Nachweis eines therapeutischen Effekts zu kurz.

 

Medikamentöse, nicht hormonelle Behandlung

Serotoninwiederaufnahme-Hemmer

Die sogenannten SSRI-Antidepressiva wurden kontrolliert untersucht und zeigten gute therapeutische Effekte auf Hitzewallungen. Nebenwirkungen: Übelkeit, Verstopfung, Mundtrockenheit, Appetitlosigkeit. Bei einigen SSRI-Präparaten kann es zu Wechselwirkungen mit Tamoxifen (Brustkrebsmedikament) kommen.

 

Gabapentin

Gabapentin wird bei Hitzewallungen (auch solchen, die bei Brustkrebstherapien entstehen) - bei relativ guter Verträglichkeit - erfolgreich eingesetzt. Nebenwirkungen: Schwindel, Wassereinlagerungen.

 

Zusammenfassung und Empfehlungen der Autoren

Nahrungsergänzungsmittel (pflanzliche Therapien): lsoflavone alleine können bei leichten klimakterischen Beschwerden ausprobiert werden. Bei starken Beschwerden ist eine Besserung dagegen unwahrscheinlich. Das selbe gilt für Cimicifuga (Traubensilberkerze).

 

Für pflanzliche Präparate (z.B. Yamswurzel, Nachtkerzenöl, Gingseng, Bladrian etc.) und Vitamin E besteht kein Beleg für die Reduktion von Hitzewallungen.


Medikamentös: Mit Serotoninwiederaufnahme-Hemmern (Antidepressiva, erhöhen die Serotoninkonzentration) und Gabapentin lassen sich innerhalb von wenigen Wochen gute Effekte auf Hitzewallungen erzielen; die Nebenwirkungen sind aber teilweise beträchtlich.

 

Lebensstil miteinbeziehen

Bei klimakterischen Beschwerden muss die Frau ihren Lebensstil anpassen: Reduktion von Kaffee und Nikotin, angepasste Kleidung und Vermeidung von Wärme bei Hitzewallungen, regelmässige Bewegung, Entspannungsübungen und eine ausgewogene, gesunde Ernährung.


Rosenfluh Publikationen, ArsMedici Nr. 1 2009

15.01.2009 - dzu


 

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