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Die Krebsliga Schweiz ist äusserst besorgt angesichts der weltweiten Verknappung von bewährten Krebsmedikamenten. Denn Klagen von Spitalapothekern und Onkologen über schwindende Vorräte oder nur noch auf Umwegen verfügbare Krebsmedikamente häufen sich.
«Es darf doch nicht sein, dass wir hier in der Schweiz vielleicht bald Zustände haben wie früher in den Ländern des Ostblocks, als dort nur einer von zwei diensthabenden Ärzten im Spital tatsächlich anwesend war, während der andere immer gerade irgendwo unterwegs war, um ein dringend benötigtes Medikament zu besorgen», schildert Professor Dr. med. Jakob R. Passweg, Präsident der Krebsliga Schweiz und Chefarzt Hämatologie am Universitätsspital Basel, die alarmierende Situation.
Dringender Handlungsbedarf
Die Verknappung wiegt umso schwerer, als diese Medikamente oft entscheidend sind für das Überleben der betroffenen Patientinnen und Patienten. Die Krebsliga Schweiz fordert den Bundesrat deshalb eindringlich auf, in enger Zusammenarbeit mit der Pharmaindustrie alle notwendigen und geeigneten Massnahmen zu ergreifen, damit die Produktion und der Vertrieb solcher Medikamente langfristig und nachhaltig sichergestellt werden kann.
Mit grosser Besorgnis verfolgt die Krebsliga Schweiz darüber hinaus die restriktive, aus medizinischer Sicht fatale Praxis der Krankenversicherer bei der Kostenübernahme für so genannte «off label»-Anwendungen von Krebsmedikamenten. Denn gerade für die Behandlung seltener Krebsarten und insbesondere zur Behandlung von krebskranken Kindern gibt es vielfach keine Alternative zu solchen «off label»-Medikamenten, deren Zulassungsstatus in Bezug auf die Behandlung sehr spezifischer Krebsarten teilweise weit hinter den gängigen Therapiestandards herhinken.
Die Krebsliga Schweiz unterstützt deshalb alle politischen Vorstösse und insbesondere die von der Aargauer Ständerätin Pascale Bruderer dieser Tage eingereichte Interpellation, die darauf abzielen, zum einen die Zugangssicherheit für dringend benötigte Medikamente nachhaltig zu garantieren und andererseits die Finanzierung von «off label»-Anwendungen von Krebsmedikamenten ausserhalb der Spezialitätenliste des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) im Sinne der betroffenen Patientinnen und Patienten zu regeln.
Studie zu «Off-Label-Use» von Krebsmedikamenten
Die Krebsliga Schweiz ihrerseits hat vor Kurzem eine Studie zur Zugangsgerechtigkeit und -sicherheit bei «off label» eingesetzten Medikamenten in Auftrag geben. Die Studie soll den aktuellen Stand und die Entwicklung des «Off-Label-Use» in der Schweiz im Vergleich zu ausgewählten anderen Ländern aufzeigen, den Begriff des «Off-Label-Use» klären, den heutigen Anteil der «Off-Label»-Anwendungen für einzelne Krankheiten ermitteln und den Ablauf der Zulassung sowie die Handhabung der Vergütung aufzeigen. Das Ziel ist letztlich, basierend auf einer wissenschaftlich soliden Situationsanalyse Lösungs-vorschläge auszuarbeiten, mit denen das Problem der «Off-Label»-Anwendung von Krebsmedikamenten entschärft werden kann.
Zugangsgerechtigkeit und -sicherheit im Brennpunkt
Dem akuten Problem der Zugangsgerechtigkeit und -sicherheit für Krebsmedikamente ist auch ein hochkarätig besetztes, von der Krebsliga Schweiz und der Stiftung Krebsforschung Schweiz unterstütztes Symposium am 23. August 2012 im Kursaal in Bern gewidmet. Fachleute aus dem In- und Ausland diskutieren Ideen und Strategien zur Sicherstellung der medizinischen Versorgung bei einer zunehmenden Verknappung von Medikamenten sowie zur Frage, wie der «Off-Label-Use» von Krebsmedikamenten in Zukunft geregelt werden soll.
Weitere Informationen zum Symposium siehe hier >> |