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Das Kriminologische Institut der Universität Zürich hat erstmals in der Schweiz 1'500 Personen zu konkreten Sterbehilfe- und Suizidbeihilfefällen befragt. Wie Prof. Christian Schwarzenegger an einer Medienkonferenz erläuterte, befürwortet eine Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer die Möglichkeit von Sterbehilfe und Suizidbeihilfe. Eine Mehrheit würde auch die heute verbotene, direkte aktive Sterbehilfe für Menschen erlauben, die an einer tödlichen Krankheit im Endstadium leiden.
«Diese Einstellungen korrespondieren mit einer positiven Sicht auf das selbstbestimmte Sterben und einer schwach ausgeprägten Religiosität», erklärte Prof. Schwarzenegger. Eine Minderheit der Schweizer Bevölkerung dagegen erachtet fast alle Formen von Sterbehilfe und Suizidbeihilfe als moralisch falsch und befürwortet rechtliche Verbotslösungen.
Bei Personen, die nicht mehr selbst über einen Behandlungsabbruch entscheiden können, kommt es wesentlich auf die Zustimmung und Einigkeit der Angehörigen an. So wird die Sterbehilfe am stärksten befürwortet, wenn alle Angehörigen der Ansicht sind, ein Komapatient, bei dem keine Aussicht auf Wiedererlangung des Bewusstseins besteht, habe in diesem Zustand nicht weiterleben wollen. «Sind sich die Angehörigen darüber nicht einig, ist die Befürwortung der Sterbehilfe am geringsten», sagt Prof. Schwarzenegger. Aus Sicht der Bevölkerung dürfen Ärzte bei dieser Form der Sterbehilfe nicht eigenmächtig handeln und die Gefühle der Angehörigen sollten respektiert und ihre Auseinandersetzung mit dem Tod berücksichtigt werden.
Wie die Studie weiter zeigt, spielt die Selbstbestimmung eine zentrale Rolle. Eine Mehrheit stimmt der Aussage zu, dass jeder erwachsene Mensch selber darüber entscheiden dürfen soll, wann er sein Leben beenden will.
Vor allem ältere Personen haben vorgesorgt und in einer Patientenverfügung geregelt, was mit ihnen passieren soll, wenn sie einmal schwerkrank werden und nicht mehr selbst darüber entscheiden können. In der Altergruppe der über 70 Jährigen verfügen 34% über eine solche Patientenverfügung.
Sterbehilfe-Organisationen ermöglichen würdevolles Sterben
Die Mehrheit der Bevölkerung ist der Ansicht, dass Suizidhilfe-Organisationen ein würdevolles Sterben im Beisein der Angehörigen ermöglichen. Aber 41% der Befragten könnten sich «auf keinen Fall» oder «eher nicht» vorstellen, selbst einmal auf die Hilfe einer Sterbehilfe-Organisation zurückzugreifen. 36% könnten sich vorstellen, dies zu tun.
Mehr Ablehnung als Zustimmung zeigt sich bei der Suizidbeihilfe für betagte Menschen ohne körperliche Leiden, die aus Lebensmüdigkeit Suizid begehen wollen. Eine Mehrheit würde demnach Sterbehilfe für Lebensmüde verbieten. Auch die umstrittene Suizidbeihilfe für Menschen mit schweren psychischen Krankheiten stösst nicht auf breite Zustimmung.
86% der Befragten wollen, dass primär Ärzte bei der Selbsttötung mitwirken oder dann speziell ausgebildetes Pflegepersonal. Weniger als die Hälfte der Befragten, nämlich 43%, waren der Ansicht, dass Suizidbeihilfe auch durch ausgebildete Mitarbeiter von Sterbehilfe-Organisationen durchgeführt werden sollte. Die Schweizerinnen und Schweizer bevorzugen also ein Modell des ärztlich assistierten Suizids.
Gegen Sterbetourismus
52.5% der Befragten wären einverstanden, wenn in ihrer direkten Nachbarschaft Sterbehilfe durch eine Sterbehilfe-Organisation durchgeführt würde. Personen, die sich vorstellen können, in Zukunft selbst eine organisierte Suizidbeihilfe in Anspruch zu nehmen, stimmen der organisierten Suizidbeihilfe in der Nachbarschaft eher zu. Eine Mehrheit der Befragten ist aber gegen organisierte Suizidbeihilfe an im Ausland wohnhaften Ausländern. Rund 66 Prozent lehnen den Sterbetourismus «voll» oder «eher» ab.
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