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Auf die Plätze – fertig – Bühne frei!
 
Musik, kombiniert mit Fussball gegen Bewegungsmangel und Übergewicht. Samuel Steinemann studierte Musikwissenschaft, Philosophie, Musikethnologie und Kulturmanagement. Seit 2000 ist er Geschäftsführer der Festival Strings Lucerne.

S. Steinemann
 

Musik ist Sport! Nehmen wir ein Beispiel: die bekannten „Vier Jahreszeiten“ von Antonio Vivaldi. Dieses hochvirtuose Violinsolo ist nicht ohne diszipliniertes „Training“ möglich und fordert vom Solisten stupende Fingerfertigkeit wie auch körperliche Höchstleistung. Von Maxim Vengerov, einem der grössten Geiger unserer Zeit, wissen wir etwa, dass er regelmässig Krafttraining betreibt, um sich geigerisch fit zu halten.

 

Allerdings gibt es auch diejenigen Musiker, die sich ein Bäuchlein anwachsen lassen und immer unsportlicher werden. Da ist Opernkomponist und Gourmand Gioachino Rossini das Negativbeispiel: Es gibt ja ganze Kochbücher über Rossinis kaloriengeschwängerte Lieblingsköstlichkeiten. Wir wissen auch, dass man Rossini, der Terminabgaben für seine Kompositionen eigentlich kaum einhielt und seine Opern immer erst in allerletzter Minute vollendet hatte, nur unter Androhung des Mahlzeitentzugs zum schnelleren Beenden seiner Kompositionen zwingen konnte. Abgenommen hat der Schwergewichtige trotzdem nicht. Die Sängerinnen und Sänger, die seine Opern singen, aber durchaus. Haben Sie schon einmal beobachtet, wie schweissgebadet sich Künstler von der Bühne verabschieden? Klar, die Dutzend Scheinwerfer verwandeln den Bühnenbereich in eine Saunalandschaft. Da reduziert auch Vivaldis „Winter“ die Raumtemperatur nicht, und die sanften Luftbewegungen, die das Händeklatschen des Publikum-Schlussapplauses auslöst, bleiben auf der Bühne wirkungslos. Musik ist Leistungssport! (Übrigens: Nur hier ist Sport noch ohne Dopingkontrollen möglich.)

 

Neuerdings gilt aber auch: Sport ist Musik! Der in New York lebende Schweizer Komponist und Saxofonist Daniel Schnyder hat es in seiner jüngsten Komposition, die den Titel „KOPFBALL“ trägt, verstanden, die Welt des Fussballs mit der Welt der Orchestermusik zu verbinden. Schnyder schreibt dazu: „Das Stück beginnt und endet mit dem Klang des Fussballs. Und damit meine ich nun nicht den Jubel der Fans. Das runde Leder wird vom Schlagzeuger musikalisch, ballistisch eingesetzt. Der Klang des Balls definiert den Ton des Stücks. Ein- und Ausklang der Komposition fusionieren Fussball und Musikwelt optisch und akustisch.“ Nicht allein musikalisch verbindet Schnyder Sport und Musik, das Match-Theater wird zur Posse auf der Konzertbühne: Ein Fussballer greift in das Bühnengeschehen ein und sucht das Tor. Der Dirigent greift ein – Trillerpfeife!! – und zieht erst die gelbe, dann die rote Karte. Doch der Torschuss ist schon gefallen … Schnyder prophezeite bereits vor der Uraufführung dieser Komposition im vergangenen Oktober im KKL Luzern mit den Festival Strings Lucerne und ihrem Chefdirigenten Achim Fiedler: Es wird der lauteste Torschuss der Fussballgeschichte werden.

 

Dass Sport und Musik nicht nebeneinander hergehen und schon gar nicht gegeneinander ankämpfen sollen, sondern beide zusammen in eine gemeinsame Zukunft gehen können, scheint allerdings keine Selbstverständlichkeit. „Entweder du gehst jeden Mittwochnachmittag ins Schwimmen oder du spielst Klavier, aber beides zusammen hat neben den Hausaufgaben nicht Platz!“ Dieses gegeneinander Ausspielen ist Gegenstand vieler Familiendiskussionen. Und in der Politik argumentieren die einen, Sport mache das Volk gesund, während die anderen behaupten, Kultur sei der Nährstoff für eine produktive Gesellschaft. Doch – Feinschmecker Rossini hin oder her – ich selber bin überzeugt vom Mens sana in corpore sano. Treiben wir Sport und musizieren wir!

 

Wie bitte, Sie haben da ein Problem? Sie seien unsportlich? Umso eher: treiben Sie Sport! – Ach noch was: Sie halten sich für unmusikalisch? Umso besser: Ich empfehle Ihnen einen regelmässigen Konzertbesuch. Das fördert Ihre Sportlichkeit in Sachen Musik. Und ein klein bisschen Sport ist ein Konzertbesuch überdies. Jedenfalls mehr, als wenn Sie sich im Fernsehen das Fussballspiel Schweiz-USA anschauen. Beim Konzertbesuch immerhin klatschen Sie. Hoffentlich so enthusiastisch, dass Sie dabei ein paar Kalorien verbrennen, nicht nur die Musikerathleten auf der Bühne.


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08.01.2008 - dzu


 

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