1x1 AdLINK Zaehlpixel Tag
NET-Metrix-Audit 1.5
Leaderboard

Sie sind hier: News » Kolumne 08. Februar 2012
Suchen
sprechzimmer.ch
Kolumne
Erweiterte Suche
Adsense Linkblock

Fokus
Krankheitsbilder
Symptome
Medizinische Onlineberatung
Versand-Apotheke
News
Gesundheit allgemein
Gesundheitswesen
Radioaktivität
Tagungen
Junge Redaktoren
Kolumne
Humor
Publireportagen
Patientenzeitschrift Sprechstunde
Gesundheitsmagazin Schweizer Hausapotheke
Gesundheits-TV
Ratgeber
Ernährung
Gesunde Zähne
Alternativmedizin, TCM
Männer
Frauen
Kinder-Teenager
Senioren
Sport, Wellness
Pharmazeutika
Nützliches
Abstimmung
Links

 

Left Skyscraper

Rectangle Top

 

Schrift: Schrift grösser Schrift kleiner Als Email versenden Druckvorschau

 
Semmelweis im T-Shirt
 
Paradigmenwechsel werden in der Medizin ziemlich inflationär beschworen. Auf den 1.1.2008 hat das britische Gesundheitsministerium einen solchen verordnet: Die Abschaffung des Ärztekittels. Dazu meint Prof. K. Neftel:

Prof. K. Neftel
Prof. K. Neftel
 
Die Leistung von Semmelweis* ist legendär und sein Name populär wie etwa derjenige von Fleming. Als er starb, übten viele Ärzte ihren Beruf noch im Bratenrock aus.

 

Per 1.1.2008 hat das britische Gesundheitsministerium den Arztkittel als Arbeitskleid aus Hygienegründen abgeschafft. In Pressekommentaren wurden die Kittel als Dreck- und Bakterienschleudern bezeichnet. Ein prominenter deutscher Professor für Hygiene befand, dass sie ausser für das Herumtragen des Namensschildes unnütz sind.

 

In England ist das Problem der resistenten Spitalkeime und der im Spital erworbenen  Infekte noch gravierender als bei uns. Eine Studie aus einem Spital in York kam nach Analyse von 1‘000 zufällig ausgesuchten Krankengeschichten zum Schluss, dass jeder zehnte Patient Opfer eines Behandlungsfehlers oder einer nosokomialen (Krankenhaus-) Infektion wird. Bis zu 50% der Fälle wären vermeidbar gewesen. Wenn die Zahlen für das ganze Land repräsentativ sind, gibt es hochgerechnet auf alle stationären Patienten mehr nosokomial-Infizierte als es Frauen mit Kindbettfieber in der Umgebung von Semmelweis gab. Die Situation in chirurgischen Kliniken war um 1850 natürlich ebenso katastrophal.

 

Manche Experten zweifeln, dass das Kittelverbot wesentlich zur Lösung beiträgt und halten die Massnahme eher für eine Demonstration der Entschlossenheit, grundsätzliche Massnahmen zu ergreifen.  Die realistischen Alternativen zum Kittel werden die Übertragung von Keimen aus der Bekleidung nicht einfach aus der Welt schaffen. Allerdings hat man auch noch T-Shirts oder Hemden ohne Ärmel verordnet und Krawatten, Uhren, Ringe und Schmuck an den Armen verboten.


Auch in England ist man sich bewusst, dass man den Symbolgehalt des Arztkittels mit dem Hinweis auf seine hygienischen Probleme nicht einfach unter den Tisch wischen kann und hat zu dieser Frage Recherchen angestellt. Dabei ging es nicht um den ausgeleierten Kalauer der ''Halbgötter in Weiss'', sondern nüchtern um die tatsächlichen Argumente pro und kontra, vor allem aus Sicht der Patienten.  Sogar Details, wie die Möglichkeit, dass eine wegen der knapperen Bekleidung sichtbare Tätowierung die professionelle Erscheinung trüben könnte, hat man bedacht.

 

Um den Kittel hat es schon früher Differenzen gegeben. Einer unserer  Professoren hat in der Vorlesung die hinten geknöpfte und hochgeschlossene Version  als Bekleidung der Arbeiter unter den Ärzten  bezeichnet  und die vorne geschlossene mit sichtbarer Krawatte als diejenige der Schwätzer abqualifiziert.  In einem anderen Spital habe ich erlebt, wie man in einer Konkurrenzklinik auf die vorne geknüpften Kittel stolz war und in unserer auf die hinten geknöpften.

 

Was wäre die Reaktion bei uns auf die britische Massnahme? Semmelweis wurde angefeindet. Er musste nach Intrigen die Klinik, in der er zu seinen Erkenntnissen gekommen war, verlassen und wurde am Ende seines Lebens in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen, wo er an einer Sepsis starb. Eine Bagatellverletzung war die Ursache. Sie soll während einer handgreiflichen Auseinandersetzung mit Pflegern entstanden sein; nach einer anderen Version haben ihn die Pfleger erschlagen. Mit einer solchen Hexenjagd müssten wir nicht rechnen. Hingegen gibt es immer noch den Semmelweis-Reflex. Damit bezeichnet man im englischen Sprachraum  die reflexartige Ablehnung und Denunzierung einer wissenschaftlichen Erkenntnis, ohne eine Überprüfung überhaupt zu erwägen.

 

Die Erfahrungen in England werden für uns interessant sein und den eventuellen Semmelweis-Reflex abschwächen. Eine ähnliche Verfügung hierzulande bleibt zwar vorläufig unwahrscheinlich. Eher könnte sich der Generationenwechsel in dieser Richtung auswirken. Vielleicht können die Studenten schon bald nicht mehr warten, sich zum ersten Mal das T-Shirt über den Kopf zu ziehen.

 

*Ignatz Philipp Semmlweis, geb. 1818 in Ungarn, gest. 1865 in Döbling bei Wien. Er studierte an den Universitäten Pest und Wien Medizin und erhielt 1844 seinen Doktorgrad an der Universität Wien. Er erkannte die Ursache für das Kindbettfieber und führte als erster Hygienevorschriften für Ärzte und Krankenhauspersonal ein. Später nannte man ihn „Retter der Mütter“, als er Assistenzarzt in der Klinik für Geburtshilfe in Wien war. Später ging er den Ursachen einer Blutvergiftung  (Sepsis) auf den Grund.
(Quelle: Wikipedia)


Mediscope

19.02.2008 - dzu


 

Rectangle

 

Zur Anmeldung >>

Krankheiten von A-Z, Symptome, Therapien, Diagnosen >> 

Symptome: die wichtigsten Beschwerden >>
Pages en Français Santeweb >>
 

 Kolumne, in

 Zusammenarbeit mit

 

 

Medizinische Onlineberatung
 

Das Team der Onlineberatung für Ihre Fragen zu Gesundheit, Krankheit und Medizin.

mehr >>

Sprechzimmer Gesundheits-TV

Ärzte erklären Gesundheitsthemen lebendig und aktuell mehr >>

Diskussionsforen

 

Aktuelle Foren

Wechseljahre
Morbus Crohn
Immunsystem stärken
Baby, Geburt,  Schwangerschaft
Herz /Herz-Kreislauf
Eisenmangel
Nagelpilz
Brustkrebs
Nahrungsmittelallergie/
-Unverträglichkeit

Prostatakrebs

Multiple Sklerose
Verhütung, Verhütungsmethoden

 

Button 150x100

 

MySana für Ihre Gesundheitsakte
 
Ihre persönlichen, medizinischen Daten jeder Zeit nur für Sie griffbereit.

mehr >>

Right Skyscraper