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Melanom (schwarzer Hautkrebs): Frühe Krebsbehandlung rettet Leben

Angesichts des weltweiten Klimawandels und des veränderten Freizeitverhaltens der Menschen kommt dem Thema Hautkrebs wachsende Bedeutung zu, denn seit langem sind die Neuerkrankungsraten stark ansteigend. Über 50'000 Menschen erkranken in Europa jedes Jahr am bösartigen schwarzen Hautkrebs („malignes Melanom“).

 

In diesem Jahr hat die European Academy on Dermatology and Venereology (EADV) erstmals mit einer grossen Kampagne auf das Problem aufmerksam gemacht.

 

Kurz vor dem Kongress in Wien am 7. Mai fand der „Euromelanoma-Day“ statt: An diesem Tag konnten sich die Bewohner der beteiligten Nationen kostenlos auf Hautkrebs untersuchen lassen.

 

Bevölkerung interessiert

„Die Kampagne war ein voller Erfolg“, bilanzierte Prof. Alberto Giannetti, Präsident der EADV. „Zwar haben wir noch keine exakten Teilnahmerzahlen, doch wissen wir von verschiedenen Fachverbänden, dass das Interesse der Bevölkerung sehr gross war.“ Ziel der künftig jährlich stattfindenden Kampagne, deren Präsident gegenwärtig Prof. Andreas Katsambas ist, ist es, möglichst viele Menschen in einem frühen Krankheitsstadium zu identifizieren, um sie rasch einer Erfolg versprechenden Behandlung zuzuführen.

 

„Reihenuntersuchungen, so genannte Screenings, sind eine sehr wirksame Massnahme zur Vorbeugung und Früherkennung“, erläuterte Prof. Giannetti. Solche Screening-Programme führen häufig zur Identifikation eines Melanoms in einem Stadium, in dem der Patient höhere Überlebenschancen hat und die Krankheit heilbar ist.

 

Hautkrebs-Screening bereits seit dem Jahr 2000

Seit der Gründung durch Dr. Thomas Maselis im Jahr 2000 organisieren Dermatologen aus 14 europäischen Ländern ein Hautkrebs-Screening, das sich jetzt zur Euromelanoma Screening Day Campaign entwickelt hat. „Hautkrebs entwickelt sich zu einem grossen gesundheitlichen Problem“, so Prof. Peter Fritsch von der Universitätsklinik aus Innsbruck. Schätzungen zu Folge erkranken in diesem Jahr in Europa etwa 54'000 Menschen neu an schwarzem Hautkrebs, weltweit sind es 130'000. Die jährliche Steigerungsrate bei den Neuerkrankungen liegt zwischen drei und sieben Prozent. Schwarzer Hautkrebs tritt bevorzugt zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr auf, Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Rund 37’000 Menschen sterben weltweit jedes Jahr an schwarzem Hautkrebs.

 

Die Haut vergisst nichts

„Die Haut vergisst weder den ersten Sonnenbrand aus Kindheitstagen noch die dauerhafte UV-Einstrahlung im Urlaub“, sagte Prof. Fritsch. Ultraviolette Strahlen schädigen das Erbgut der Hautzellen, schwächen das lokale Immunsystem der Haut und können eine allgemeine Abwehrschwäche bewirken. Eine gewisse Zeit beheben die körpereigenen Reparaturmechanismen diese Schäden. Doch die Haut merkt sich praktisch lebenslang die eingestrahlte Dosis, bis das Reparaturprogramm eines Tages versagt und das Immunsystem die entstandenen Schäden nicht mehr beseitigen kann. Auf diese Weise entwickelt sich zum einen eine vorzeitige lichtbedingte Hautalterung, zum anderen kann mit einer zeitlichen Verzögerung von 15 bis 40 Jahren Hautkrebs entstehen.

 

„Je häufiger es zu Sonnenbrand oder intensiver Sonneneinstrahlung kommt, desto grösser ist die Gefahr einer Hautkrebserkrankung“, so Prof. Fritsch. Auch die dem landläufigen Schönheitsideal entsprechende Sonnenbräune sei kein Zeichen von Gesundheit, sondern Ausdruck einer Hautschädigung durch ultraviolette Strahlen.

Intensive Sonnenbestrahlung vermeiden

Generell sollte eine plötzliche und intensive Sonnenbestrahlung vermieden werden, insbesondere in den Mittagsstunden zwischen 11 und 15 Uhr. Wer im Sommer schon nach kurzer Zeit einen Sonnenbrand bekommt, ist grundsätzlich nicht geeignet, sich verstärkt der Sonne auszusetzen. Gefährdet sind vor allem hellere Hauttypen mit blonden bis rotblonden Haaren und einer Neigung zu Sommersprossen. Auch Menschen mit vielen Muttermalen und Leberflecken sollten sehr vorsichtig sein.

 

Kinder mit Sonnenbrand besonders gefährdet für Hautkrebs

Vorbeugen fängt bereits bei den Kleinsten an: „Schützen Sie Ihre Kinder!“, raten die Dermatologen der EADV. Wer in Kindheit und Jugend häufig „verbrennt“, hat ein bis zu 50-fach erhöhtes Risiko, später schwarzen Hautkrebs zu bekommen. „Babys und Kleinkinder sollten grundsätzlich keinen direkten Sonnenstrahlen ausgesetzt werden, weil sich der Schutzmechanismus ihrer Haut noch nicht entwickelt hat“, erklärte Prof. Fritsch. Auch später sollten Kinder bevorzugt im Schatten spielen, eine Kopfbedeckung und sonnendichte, dunkle Kleidung tragen. Sonnencreme, mit der die nicht textilgeschützte Haut eingerieben wird, ist notwendig und zum Beispiel vor einem Strandbesuch unbedingt zu empfehlen. Die Creme sollte einen hohen Lichtschutzfaktor – für Kinder Faktor 30 und mehr – haben und gleichermassen vor UVA- und UVB-Strahlen schützen. Alle zwei bis drei Stunden sollte man sich erneut einreiben. Dies gilt auch für Erwachsene, bei denen Faktor 15 in aller Regel ausreicht.

 

Früherkennung ermöglicht komplikationslose Behandlung

Genauso wichtig wie die Prävention ist die Früherkennung von Hautkrebs. Ein rechtzeitig erkannter Tumor kann meist schnell und komplikationslos behandelt werden; im fortgeschrittenen Stadium sind dagegen aufwendige Massnahmen notwendig. Liegt die Tumordicke unter einem Millimeter, genügt in der Regel eine kleine Operation, bei der das verdächtige Gewebe entfernt wird, und der Patient ist vollständig geheilt. „Mit zunehmender Tumordicke sinkt jedoch die Lebenserwartung: Bei über vier Millimetern können nur noch vier von zehn Patienten gerettet werden – trotz zusätzlicher Therapien nach der Operation“, so Prof. Fritsch.

 

Die A-B-C-D-E-Regel

Das Risiko, an Krebs zu erkranken, wird vielfach vererbt. Auch beim Hautkrebs spielen die Gene eine bedeutende Rolle. Wer Krankheitsfälle in der Familie hat und zu den gefährdeten Hauttypen gehört, sollte sich vorbeugend einmal jährlich untersuchen lassen. Ein solches Melanom ist oft mit blossem Auge zu erkennen. Es unterscheidet sich zunächst kaum von einem Leberfleck oder Muttermal. Hilfreich für die Früherkennung ist die A-B-C-D-E-Regel. Das Mal ist asymetrisch (A), nicht begrenzt (B), sondern am Rand auslaufend, unterschiedlich coloriert (C), hat einen Durchmesser (D) von über sechs Millimetern und entwickelt sich (E) in Grösse, Form und Farbe. Trifft eines dieser Kriterien zu, sollte man einen Hautarzt aufsuchen.

 

Heller Hautkrebs ist noch weiter verbreitet

Nicht so aggressiv, dafür aber mindestens zehn Mal so häufig wie ein Melanom ist der helle („nichtmelanöse“) Hautkrebs. Dazu zählen insbesondere das Basalzell- und das Plattenepithelkarzinom sowie als Krebsvorstufe die Aktinische Keratose. Heller Hautkrebs ist der am weitesten verbreitete Hautkrebs. Er tritt an Stellen auf, die intensiv von der Sonne bestrahlt wurden, wie etwa Kopf, Gesicht, Handrücken und Unterarme. Heller Hautkrebs wächst oft über Jahre, ohne Beschwerden zu verursachen. Unbehandelt dringt er ins Gewebe ein und zerstört darunter liegende Strukturen. Besonders weit verbreitet ist die Aktinische Keratose („Sonnenschwiele“): In der Altersgruppe der über 60-Jährigen ist bereits jeder Zweite betroffen; Kinder, die heute auf die Welt kommen, haben eine fast 100-prozentige Wahrscheinlichkeit, später einmal an hellem Hautkrebs zu erkranken.

 

Screening verbessert Früherkennung

„Mit dem Euromelanoma Day wollen wir die Bevölkerung künftig jedes Jahr neu über die Gefahren der Sonneneinwirkung aufklären und gleichzeitig möglichst vielen Menschen ein kostenfreies Hautkrebsscreening bei einem selbst gewählten Hautarzt ermöglichen“, beschrieb Prof. Giannetti das weitere Vorgehen. Damit sollen zahlreiche Menschen mit Risikofaktoren für Hautkrebs sowie frühen Stadien eines Melanoms oder anderer Hautkrebsarten identifiziert werden.

 

Prof. Giannetti: „Wir sind zuversichtlich, dass dieses wichtige Screening zu einer bedeutsamen europäischen Gesundheitskampagne gegen schwarzen und hellen Hautkrebs wird – mit dem Ergebnis, dass die Zahl der Neuerkrankungen in Europa deutlich verringert werden kann.“

 

Mehr zum Thema

 
European Academy on Dermatology and Venereology (EADV), Mai 2007, Wien
 
05.06.2007 - dzu
 



 

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