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Psoriasis (Schuppenflechte): Mit ''Biologicals'' erstmals Langzeitkontrolle möglich

Die Behandlungsmethoden für Patienten mit Schuppenflechte (Psoriasis) haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Verantwortlich dafür sind insbesondere die neuen „Biologicals“: Die Medikamente greifen direkt in das entzündliche Geschehen ein und wirken dadurch nicht nur symptomlindernd sondern krankheitsverbessernd, erklärte Prof. Alberto Giannetti, Leiter der Abteilung für Dermatologie der Universitätspoliklinik Modena/Italien.

 

Auch weitere Behandlungsansätze wie die Lasertherapie oder verschiedene Bestrahlungsmethoden geben Anlass zur Hoffnung.

Zwei Prozent der europäischen Bevölkerung sind von Psoriasis (vom griechischen „psao“, ich kratze, abgeleitet) betroffen. Typisches Merkmal sind scharf begrenzte, schuppende Rötungen der Haut, die bevorzugt an Ellbogen, Knien, Kopfhaut und Rücken auftreten und zum Teil jucken. „Die Krankheit verläuft in unregelmässigen Schüben und ist viel mehr als eine reine Hauterkrankung“, erläuterte Prof. Giannetti.

 

Häufig komme es zum Beispiel zu einer Gelenkbeteiligung (Psoriasis-Arthritis): In solchen Fällen seien schmerzhafte Entzündungen der Finger- und Zehengelenke mit Veränderungen der Nägel zu beobachten. Aber auch grössere Gelenke – Knie oder Hüfte – sowie die Wirbelsäule und das KreuzDarmbeingelenk seien oft betroffen. Charakteristisch ist die beschleunigte Zellneubildung: Statt in 28 Tagen wandern die in der untersten Epidermis-Schicht gebildeten Hautzellen innerhalb von drei bis vier Tagen an die Hautoberfläche. Weil die Zellentwicklung in dieser kurzen Zeit nicht abgeschlossen ist, kommt es zu teils grossflächigen Verhornungsstörungen und Schuppenbildungen.

 

Immunsystem reagiert „überschiessend''

Entscheidend beteiligt an den entzündlichen Veränderungen ist das Immunsystem. Es reagiert „überschiessend“, das heisst viel zu stark, auf Einflüsse von aussen wie etwa eine bakterielle Infektion und bleibt auch dann noch aktiv, wenn der fremde Eindringling längst beseitigt ist. Das Immunsystem richtet sich dann gegen den eigenen Organismus und begünstigt somit die Entwicklung der Hautschuppen. Die Krankheitsursachen sind nicht endgültig geklärt. Eine grosse Rolle spielt die genetische Veranlagung, 30 bis 40 Prozent der Patienten haben Angehörige mit ähnlichen Leiden. Als Risikofaktoren, die zum Ausbruch oder zur Verschlechterung beitragen können, gelten bestimmte Medikamente (etwa gegen Rheuma oder Herzleiden), Infekte (z.B. Halsentzündungen), klimatische Veränderungen, aber auch persönliche Lebensumstände wie Stress, emotionale Belastungen oder vermehrter Alkoholkonsum.

 

''Biologicals''bei Psoriasis und anderen entzündlichen Erkrankungen

Bisher werden akute Krankheitsepisoden vor allem mit Kortison oder starken, das Immunsystem unterdrückenden Medikamenten behandelt. Nach Absetzen dieser Substanzen kommt es häufig zu Rückfällen. „Die neuen Wirkstoffe, die unter dem Oberbegriff „Biologicals“ zusammengefasst und auch bei anderen entzündlichen Erkrankungen der Gelenke oder des Darms angewandt werden, haben sich dagegen inzwischen auch in der Langzeittherapie bewährt“, so Prof. Giannetti.

 

Ziel der neuen, mit gentechnischen Mitteln hergestellten Medikamente, die ein- bis zweimal wöchentlich vom Patienten selbst unter die Haut oder intravenös gespritzt werden können, ist es, das überaktive Immunsystem zu regulieren und den Entzündungsprozess zu stoppen. Dabei greifen sie unmittelbar in die Zellkommunikation ein, indem sie bestimmte Immunzellen (T-Lymphozyten) oder Botenstoffe (Zytokine) blockieren, die am Anfang der Entzündungskaskade stehen und den Krankheitsprozess vorantreiben. Das Wirkprinzip ist sehr erfolgreich: Unterschiedlichen Studien zufolge bewirken die neuen Medikamente bei etwa 80 Prozent der Patienten eine mindestens 75-prozentige Besserung der belastenden Symptome.

 

Licht- und Badetherapien Erfolg versprechend

Biologicals werden vor allem bei mittelschweren und schweren Krankheitsverläufen verordnet. Und das insbesondere dann, wenn herkömmliche Therapien mit Standardmedikamenten wie keinen ausreichenden klinischen Erfolg hatten oder wegen Unverträglichkeiten abgebrochen werden mussten. Doch auch für die anderen Patienten sind die Therapiemöglichkeiten in den vergangenen Jahren deutlich besser geworden. So hat die Lichttherapie wachsende Bedeutung erlangt, die Kombination aus Sole (Salz) und (Sonnen-)Licht bekommt den meisten sehr gut (deshalb fahren viele Patienten regelmässig ans Tote Meer).

 

Ähnlich funktionieren die verschiedenen Formen der Licht-Bade-Behandlungen (Balneophototherapien) sowie der PUVA-Badetherapie, bei der dem Badewasser der Wirkstoff Psoralen beigefügt wird, der die Haut für die anschliessende Bestrahlung lichtempfindlicher macht. Bei flächenmässig begrenzten Erkrankungen haben auch Laserbehandlungen ihren Stellenwert gefunden – sie begünstigen oftmals den Heilungsverlauf. Zu bedenken sind hierbei jedoch die vom Patienten meist selbst zu tragenden Behandlungskosten und die Ungewissheit, wie lange der Therapieerfolg anhält.

 

Lebensqualität oft stark beeinträchtigt

Heilbar ist Psoriasis dennoch nicht, bedauert Prof. Giannetti. Bei zwei Drittel der Patienten komme es jedoch zu längeren krankheitsfreien Episoden und bei jedem zehnten Patienten verschwinde die Erkrankung mit der Zeit vollständig. Bis dahin sei es jedoch oftmals ein beschwerlicher Weg, denn neben der körperlichen Beeinträchtigung stelle Psoriasis eine starke psychische Belastung dar. Prof. Giannetti: „Mitmenschen reagieren oftmals mit Ablehnung auf die Psoriasis. Viele Patienten fühlen sich stigmatisiert, haben einen hohen Leidensdruck und damit erhebliche Einbussen der Lebensqualität.“

 

Mehr zum Thema

 
European Academy on Dermatology and Venereology (EADV), Mai 2007, Wien
 
05.06.2007 - dzu
 



 

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