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Erfolgreiche Interventionen im Bereich „Psychische Gesundheit - Stress''

Referat von Prof. Maurice B. Mittelmark, Centre of Health Promotion, University of Bergen,
Norwegen

Interventionen zur Stressbewältigung setzen entweder auf Ebene des Individuums oder beim Umfeld an. Beim Einzelnen soll vor allem die Bewältigung von Stress, in der Fachsprache als Coping bezeichnet, gefördert werden.


Während über die Stressquellen und Messmethoden von psychischem Stress relativ viel bekannt ist, steckt die Forschung über die zahlreichen Interventionen zur Verbesserung des Copingvermögens noch in den Kinderschuhen. Die Studien dazu sind bezüglich Design, Messmethoden, harten Endpunkten und Beobachtungszeitraum mangelhaft. Darum lässt sich zur Zeit nicht zuverlässig beurteilen, welche Copingstrategien funktionieren und welche nicht.

 

Günstig auf die Stressbewältigung am Arbeitsplatz soll sich die Meditation zur Muskelentspannung auswirken. Kombinierte Ansätze scheinen effektiver zu sein als Einzelinterventionen. Als wirksam haben sich umfassende Ansätze erwiesen, die bereits das Schulklima positiv beeinflussen. Gegenüber Massnahmen auf struktureller Ebene äussert sich Prof. Mittelmark sehr zurückhaltend.


Mitwirkung der Arbeitnehmer an der Definition der Arbeitsinhalte, Schutz vor Belästigung sowie Vermeiden monotoner Tätigkeiten werden zwar befürwortet, die Wirksamkeit ist aber nicht oder nur schlecht belegt.


Dem aufmerksamen Leser fällt auf, dass hier eine gewisse Diskrepanz zwischen den Aussagen der beiden Referenten, J. Siegrist und M. Mittelmark, besteht. Mittelmark bezeichnet die Massnahmen zur Verhinderung von Gratifikationskrisen im Erwerbsleben mehr als Kunst denn als wissenschaftliche Intervention; im Gegensatz dazu hat Siegrist doch konkrete Untersuchungsergebnisse präsentiert, welche den Nutzen von Massnahmen auf struktureller Ebene aufgezeigt haben.


Kommentar aus Schweizer Sicht

Doris Summermatter Kaufmann, Gesundheitsförderung Schweiz

Die Allgemeinbevölkerung muss sensibilisiert werden, ein gesundes und sinnvolles Leben zu führen. Die positive psychische Gesundheit soll in den Vordergrund gerückt, Stigmatisierung und Diskriminierung bekämpft werden.

 

Die schweizerische Gesundheitsbefragung von 2002 zeigt folgendes:

  • Eine grosse Mehrheit fühlt sich psychisch wohl, aber nur 1/3 der Bevölkerung hat Kontrolle
    über das eigene Leben.
  • Jugendliche leiden unter Stress- und Beziehungsproblemen. Die Suizidproblematik ist hoch.
  • Der Alkoholkonsum zunehmend (Abb12 Traurige und gestresste Jugendliche)

Diese Fakten lassen aufhorchen. Wo kann etwas geändert werden? Wie kann z. B. die Einstellung der Jugend zum Leben beeinflusst, die Eigenverantwortung gefördert werden? Die Stärkung der psychischen Gesundheit muss bereits in der Schule erfolgen. Durch Zusammenarbeit mit Lehren, Eltern und Schülern sollen Stress abgebaut, Bewältigungsstrategien gelernt und der Selbstwert ins Zentrum gesetzt werden.


Auch die Arbeitswelt profitiert von psychisch gesunden Erwachsenen. Durch Individualität der
Mitarbeiter, Selbstbestimmung am Arbeitsplatz und Vermeidung monotoner Tätigkeiten kann
Stress, burn-out, Depression und Anderem vorgebeugt werden. Psychisch gesunde Menschen
neigen ausserdem weniger zu Gewalt und Kriminalität.


Die Referentin rät am Ende Ihres Vortrags zu mehr Komplementarität. Ergänzende Massnahmen (Schulklima, Arbeitsklima verbessern), die auf verschiedenen Ebenen greifen, können die psychische Gesundheit stärken. Bis die Interventionen jedoch greifen, braucht es seine Zeit: „Gut Ding braucht Weil!“ so Summermatter.


Stress am Arbeitsplatz: Was ist zu tun?

Ein Streitgespräch zwischen dem Vizedirektor des Schweizer Arbeitgeberverbandes, Dr. Hans Rudolf Schuppisser, und dem Leiter des Instituts für Arbeitsmedizin IFA, Dr. Dieter Kissling; Moderation: Dr. phil. Peter Schneider, Psychoanalytiker und Autor Beide Parteien, der ärztliche Vertreter der Arbeitnehmer und der Präsident des Arbeitgeberverbandes Schweiz, sind sich einig, dass Arbeit grundsätzlich gesund hält, Stress aber nicht immer vermeidbar ist. Bedenklich sind die Angaben, wonach 44% der arbeitenden Bevölkerung nach eigenen Angaben unter starker nervlicher Anspannung am Arbeitsplatz leiden.


Die Forderungen des Arbeitsmediziners sind folgende:

  • Sensibilisierung für das Thema „Stress am Arbeitsplatz“ auf Arbeitnehmer- sowie vor allem auf Arbeitgeberseite.
  • Strukturelle Anpassungen, welche die Situation des Arbeitenden verbessern: Führungsverbesserungen, Anerkennungskultur, unrealistische Zeitvorgaben abschaffen.

Der Präsident des Arbeitgeberverbandes ist grundsätzlich dazu bereit, mehr Gewicht auf
strukturelle Anpassungen bei seinen Mitgliedern zu legen. Er betont jedoch, dass in diesem
Bereich insbesondere bei den Grossbetrieben schon verschiedene Massnahmen getroffen
wurden, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern.

 

Zum Schluss noch eine interessante These des Arbeitsmediziners: „Der Arbeitsmarkt wird’s richten: Die Betriebe werden ihre Fachkräfte in Zukunft nur dann halten können, wenn sie eine gesundheitsfördernde Strategie fahren.“

 

 
Mediscope - Dr. med. Susanne Schnorf-Huber und Dr. med. Daniel Desalmand
 
20.03.2006 - dzu
 



 

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