''Gefahren von Übergewicht'' und ''Dick trotz Diät''
Gefahren des Übergewichts
Referent: Prof. Dr. Ph. T. James, London School of Hygiene and Tropical Medicine, Chairman of the International Obesity Task Force, London, Grossbritannien.
Wie sollen Übergewicht und Adipositas (starkes Übergewicht) bekämpft werden? Gibt es überhaupt sinnvolle Massnahmen zur Bekämpfung des Übergewichts und bei wem fruchten die „Therapieansätze“ am besten?
Der weltweiten Epidemie „Fettsucht“ - 1.1 Miliarden Menschen sind übergewichtig (ca. 30% adipös) - wird der Kampf angesagt. Dank Definitionen und Vereinbarungen der WHO-2000, kann anhand des Body Mass Index (BMI = Körpergewicht durch Grösse (m) im Quadrat) das Vorkommen von Übergewicht (BMI > 25) und Adipositas (BMI > 30.0) international verglichen werden.
Trotz mediterraner Diät dick
Nicht alle Regionen der Welt sind gleich stark vom Übel „Fettsucht“ betroffen. Im mittleren Osten und in Nordamerika ist die Prävalenz am höchsten, in Asien am tiefsten. Gemäss Prof. James werden auch die Europäer immer dicker: „ Führend sind die Griechen und dies trotz mediterraner Diät! Am besten schneiden im europäischen Vergleich die Norweger ab“.
„Übergewicht ist eine Krankheit der Armen“, so Professor James. „Gesunde Lebensmittel wie Gemüse oder Früchte kosten mehr als kohlenhydrat- und fettreiche Produkte. Sie sind deshalb der armen Bevölkerung weniger zugänglich.“ Anhand von Lebensmittelinterventionen, Werbung und Gesundheitserziehung könnte die Bevölkerung gesünder ernährt werden.
Übergewicht macht krank
Weltweit sind Frauen häufiger von einem höheren BMI betroffen als Männer. Dies beruht sehr wahrscheinlich auf biologischen und sozialen Faktoren. Alle Personen mit Übergewicht haben im Vergleich zu normalgewichtigen Personen ein höheres Erkrankungsrisiko für Diabetes Typ 2, hohen Blutdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bereits ab einem BMI > 21 nimmt das Risiko für diese und andere Erkrankungen zu (Willett et al, NEJM 1999;341:427-434).
Die Lebenserwartung 40-jähriger übergewichtiger Personen ist im Vergleich zu normalgewichtigen Personen eingeschränkt. Wird zusätzlich noch geraucht, verringert sich die Lebenserwartung von Frauen um 7.1 Jahre, von Männern um 5.8 Jahre (Abbildung 1). Gewichtsbedingte Störungen verursachen mehr als 20 Millionen Behinderungsjahre. Übergewicht führt zu immensen direkten und indirekten Kosten.
Übergewicht beeinflusst nicht nur die physische Gesundheit, sondern auch die psychische. Übergewicht führt zu mentalem Stress, reduziert das Selbstwertgefühl, führt zu Kontaktschwierigkeiten, schlechteren Heiratsaussichten und vielem mehr. Dieser Zusammenhang gilt vor allem für Erwachsene aus Europa und Nordamerika, nicht aber für Erwachsene aus anderen Kulturkreisen.
Bauchfett und Auswirkung auf Gesundheit
Neben dem BMI ist das Bauchfett, das anhand des Taillenumfangs gemessen wird, ein aussagekräftiger Faktor für Übergewicht und Erkrankungsrisiko. Der Hang zu abdominalem (den Bauch betreffendem) Übergewicht besteht nicht nur in den sogenannten Erstweltländern, sondern auch in Entwicklungsländern, in Asien, insbesondere China und Indien, sowie in Mexiko.
Als Ursache wird ein niedriges Geburtsgewicht (intrauterine Mangelernährung bei mangelernährten Müttern) oder eine frühkindliche ernährungsbedingte Wachstumsstörung diskutiert. Dadurch soll die Entstehung von Bauchfett begünstigt werden. Erkrankungen wie z.B. Diabetes mellitus Typ 2 sind die Folge. Die Diabetesquote ist bei erwachsenen Asiaten alarmierend hoch. Indien und China verzeichnen trotz gemässigtem Durchschnitts-BMI die grösste Anzahl Diabetesfälle weltweit.
Kinder sind Opfer der Wohlstandsgesellschaft
Leider sind nicht nur Erwachsene von Übergewicht betroffen. Auch bei Kindern haben die Gewichtsprobleme epidemische Ausmasse erreicht. Weltweit sind 10% aller Kinder übergewichtig oder adipös. Mehr als 80 Millionen europäische Kinder und Adoleszente sind übergewichtig:
Das Übergewichtsproblem hat vor allem in den letzen 20-30 Jahren massiv zugenommen. „Die Essgewohnheiten und Bewegungsmuster der Bevölkerung haben sich seit dem 2. Weltkrieg stark verändert,“ so Professor James. „Man ist einer dauernden Nahrungsmittelwerbung ausgesetzt, Esswaren sind jederzeit vorhanden, insbesondere der kalorien- und fettreiche Junk- oder Fast-Food. Ein weiterer begünstigender Faktor ist die zunehmende Urbanisierung“.
Ist das Kind oder der Adoleszente bereits übergewichtig, hat dies schwerwiegende Folgen für die Zukunft. Die Wahrscheinlichkeit, im Erwachsenenalter an Diabetes, Bluthochdruck oder anderen chronischen Erkrankungen zu leiden, ist bei diesen Kindern besonders hoch. Das Übergewicht nimmt global dramatisch zu.
Leider existieren bis anhin kaum Pläne zur Bekämpfung oder Prävention der akuten Gesundheitsgefahr. Die Gesundheitsförderung des Individuums alleine reicht nicht aus. Die Gesundheitserziehung ist eine multidisziplinäre Aufgabe.
Staat, Kantone, soziales Netz und Individuum müssen aktiv mit einbezogen werden. Nur dann kann sich etwas ändern.
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| Mediscope - Dr. med. Susanne Schnorf-Huber und Dr. med. Daniel Desalmand |
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| 20.03.2006 - dzu |
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