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Unter dem Titel „Why Men Die Earlier and Suffer More“ (Warum Männer früher sterben und mehr leiden) fand vom 9. bis 11. Oktober bereits zum sechsten Mal der World Congress on Men’s Health (WCMH) in Wien statt. Fachleute aus aller Welt präsentierten aktuelle Erkenntnisse zum Thema Männergesundheit und geschlechtsspezifische Medizin. Ein besonders interessantes von GlaxoSmithKline finanziell unterstütztes Symposium, widmete sich der gutartigen Prostatavergrösserung (medizinisch: Benigne Prostatahyperplasie = BPH).
Männer sind Ärztemuffel
Eine Reihe von Studien zeigte, dass Männer früher sterben als Frauen. Experten gehen davon aus, dass die Gene (also der geschlechtsspezifische Unterschied) dabei nur eine kleine Rolle spielen. Der grosse Rest beruht auf einem häufig ungesünderen Lebensstil der Männer (Rauchen, Alkoholmissbrauch, Übergewicht) und auf einem geringeren Gesundheitsbewusstsein.
Bei Hautkrebs (Melanom) ist aus Untersuchungen bekannt, dass Männer wesentlich später zum Arzt gehen als Frauen. Dass Männer auch bei Beschwerden der Prostata sehr lange zuwarten, lässt die PROBE-Studie (Prostate Research on Behaviour and Education) vermuten: Viele Männer waren der Meinung, dass die Prostata-Beschwerden ein unvermeidlicher Aspekt des Alterns seien und suchten daher lange keinen ärztlichen Rat, auch bei bereits schweren Symptomen. Meist waren es auch ihre Frauen, die sie zum Arzt drängten. Dies zeigen auch die Erfahrungen vieler Hausärzte.
„Bisher gibt es aber keine wissenschaftliche Untersuchung dazu, ob Männer tatsächlich - und wenn ja - warum sie wegen gesundheitlichen Problemen später zum Arzt gehen. Auch wissen wir nicht, was wir tun können, um Männer dafür zu sensibilisieren“, wie Dr. Ian Banks, Präsident des European Men's Health Forum, zu bedenken gab.
In Sachen Gesundheit ticken Männer anders als Frauen
Um die Situation zu verbessern, muss das Gesundheitsbewusstsein der Männer positiv beeinflusst werden. Ein solcher Wandlungsprozess muss vor allem durch geschlechtssensible Medizin und insbesondere durch eine spezifische „Männermedizin“ gefördert werden. Vor allem gilt es, Mythen und Missverständnisse bezüglich Prostatabeschwerden auszuräumen. Patienten müssen besser über Therapieoptionen informiert werden und die Kommunikation zwischen Arzt und Patient muss besser werden, so Banks. Die Verbreitung solcher Informationen muss geschlechtsspezifisch erfolgen: Denn Männer nehmen Gesundheitsinformationen anders auf als Frauen.
Gute Kommunikation zwischen Arzt und Patient ist wichtig
Die PROBE-Studie zeigte, dass Ärzte und Patienten die BPH und deren Behandlung unterschiedlich wahrnehmen. Nur 58% der Urologen glaubten, dass ihre Patienten verstanden hätten, dass die BPH eine fortschreitende Erkrankung ist; hingegen waren 50-60% der Patienten besorgt, dass es zu einem akuten Harnverhalt oder zur Operation kommt. Und: Mehr als 75% der Patienten bevorzugten ein Medikament, welches das Risiko einer Operation reduziert, im Vergleich zu einem Medikament, das nur schnelle Symptomlinderung verschafft.
In einer grossen online Umfrage, wo Männer Fragen zu Prostataerkrankungen und Beschwerden stellen konnten, stand an erster Stelle die Frage nach der Frequenz des Urinierens und an letzter Stelle die Frage nach Blut im Sperma; also die umgekehrte Priorität, welche ein Urologe setzen würde. Denn für den Urologen stellt Blut in der Samenflüssigkeit oder im Urin ein wichtiges Alarmzeichen dar, das weitere Abklärungen erfordert. Warum die umgekehrte Priorität des Patienten? Für den Patienten ist die Frequenz des Harnlassens wichtiger, da dies den Alltag stärker beeinträchtigt.
Sexuelle Gesundheit und Lebensqualität beeinträchtigt
Die BPH ist eine fortschreitende Erkrankung. Das Erkrankungsrisiko steigt mit dem Alter. So leidet fast die Hälfte aller Männer über 60 und 90% im Alter über 85 daran. Durch die Vergrösserung der Prostata kommt es zur Einengung der Harnröhre. Mögliche Komplikationen wie Störungen der Sexualfunktion oder Beschwerden beim Urinieren beeinträchtigen den Alltag und führen nicht selten zu Schlafproblemen (häufiges Wasserlassen in der Nacht), wie M. Marberger ausführte. Komplikationen wie akuter Harnverhalt oder die Notwendigkeit eines operativen Eingriffs erhöhen den Leidensdruck der Betroffenen zusätzlich.
Kombinationstherapie bringt Langzeitnutzen
In der Behandlung von milden Beschwerden einer BPH haben Pflanzenextrakte in Form von Phytotherapeutika einen hohen Stellenwert. Am häufigsten verwendet werden Extrakte aus den Früchten der Sägezahnpalme, der Rinde des afrikanischen Pflaumenbaumes, Brennesselwurzeln, Kürbissamen und Präparationen aus Roggenpollen. Insgesamt zeigen Phytopharmaka eine gute Wirksamkeit bei keinen oder sehr geringen Nebenwirkungen.
Ein relativ geringer Anteil Patienten weist durch die vergrösserte Prostata eine eindeutige Einengung der Harnröhre auf und muss direkt einer operativen Intervention zugeführt werden.
Zur medikamentösen Therapie der benignen Prostatahyperplasie stehen heute zwei Substanzklassen zur Verfügung: Die sogenannten Alpha-Blocker und die sogenannten 5-Alpha-Reduktasehemmer sowie deren Kombination. Die Alpha-Blocker zeigen eine rasche Wirkung innerhalb weniger Tage auf die Beschwerden, allerdings wird das Wachstum der Prostata nicht beeinflusst. Bei einer Therapie mit einem 5-Alpha-Reduktasehemmer dauert es zwar etwas länger, bis eine Symptomverbesserung eintritt, hingegen führt diese Therapie zu einer Reduktion der Prostatagrösse und damit zur längerfristigen Verbesserung der Beschwerden.
Dass die Kombinationsbehandlung das Fortschreiten einer BPH stärker bremsen kann als die Therapie mit der jeweiligen Einzelsubstanz (Monotherapie), weiss man bereits seit einigen Jahren.
Am World Congress on Men’s Health stellte der Urologe Dr. Claus G. Roehrborn vom University of Texas Southwestern Medical Center in Dallas ganz aktuelle Studiendaten zur Kombinationstherapie vor. In dieser Studie konnte erneut gezeigt werden, dass die Kombinationstherapie zu einer schnellen und etwas stärkeren Verbesserung der Symptome bei gleichzeitig deutlicher Verminderung des Wachstums der Prostatagrösse gegenüber der alleinigen Alpha-Blocker- oder Reduktasehemmer-Therapie führte. |