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Interview mit Frau Dr. med. Ruth Draths, Leiterin firstlove-Projekt, Kinder- und Jugendgynäkologie, Neue Frauenklinik Luzern

Ruth Draths
 
Frau Draths, wie schätzen Sie das Interesse der Teenager bezüglich Gesundheitsfragen und Übernahme von Verantwortung für die eigene Gesundheit ein?

 

Die 11-15-jährigen Teenager sind sehr interessiert an allem, was ihren Körper betrifft; sie wollen möglichst viel über den eigenen Körper erfahren. Häufig merkt man erst beim aktiven Ansprechen von Gesundheitsfragen, dass ein grosses Interesse da ist. Ab 15 oder 16 fällt es Jugendlichen oft schwerer, Fragen zu stellen, da sie meinen, schon alles wissen zu müssen.

 

Sie leisten mit Ihrem Projekt am Spital in Luzern einen Beitrag zur Förderung dieses Gesundheitsbewusstseins bei Teenagern; was sind nächste Schritte in der Gesundheitsförderung und der Prävention, insbesondere auch im Zusammenhang mit der seit Anfang dieses Jahres zugelassenen HPV-Impfung?

 

Wichtig sind die Verbreitung der Information und die Sensibilisierung für das Thema durch verschiedenste Kanäle. Besonders gefordert sind Eltern und Schulen, respektive die Lehrer. Es hat sich gezeigt, dass die betroffene Altersgruppe solche Informationen von den Lehrkräften gerne entgegennehmen. Aber auch die Ärzteschaft – und hier sind nicht nur die Gynäkologen gemeint – sollte Verantwortung übernehmen und die Teenager auf solche Themen ansprechen. Jede Gelegenheit eines Arztbesuchs sollte genutzt werden, um mit den Mädchen
darüber zu sprechen; dies bietet übrigens eine gute Möglichkeit zur Aufklärung. Und letztlich natürlich die Medien; es ist allerdings nicht einfach, die Information jugendgerecht zu vermitteln.

 

Nun etwas spezifischer zur Gebärmutterhalskrebs-Prävention: Was empfehlen Sie den jungen Frauen? Bei welchen Frauen sprechen Sie die Möglichkeit der HPV-Impfung an?

 

Die offiziellen Empfehlungen der Eidgenössischen Kommission für Impffragen sehen die Impfung für alle Mädchen im Alter zwischen 11 -14 Jahren vor, sowie eine Nachholimpfung für alle Mädchen bis 19. Ich spreche daher das Thema HPV-Impfung bei allen Jugendlichen in diesem Alter an und informiere sie über diese Möglichkeit. Bei den über 20-jährigen Frauen muss individuell besprochen werden, ob eine Impfung für sie sinnvoll ist, gemäss ihrer Vorgeschichte.

 

Was empfehlen Sie HPV-positiven Frauen, die eine Impfung wünschen?

 

Ich erkläre den Frauen, dass es sich bei der Impfung um eine prophylaktische Massnahme handelt und nicht um eine Therapie. Mit der Impfung kann eine stattgehabte Infektion nicht mehr verhindert werden.

Wie erklären Sie den Frauen in ihrer  Sprechstunde, dass der regelmässige Vorsorge-Krebsabstrich trotz Impfung noch notwendig ist?

 

Mit der aktuell vorliegenden Impfung werden nur vier der vielen verschiedenen HPV-Typen abgedeckt. Die nicht erfassten Virustypen können ebenfalls zu Veränderungen am Gebärmutterhals führen, die mit der Krebsvorsorge erfasst werden sollten. Die mit der Impfung abgedeckten HPV-Typen sind für gut 70% der bösartigen Veränderungen am Gebärmutterhals verantwortlich, für die übrigen 30% muss also weiterhin die Vorsorge durchgeführt werden.

 

Die Impfung wird zur Zeit von den Krankenkassen noch nicht bezahlt. Ihr Kommentar dazu?

 

Aus ärztlicher Sicht ist natürlich zu hoffen, dass die HPV-Impfung in den Leistungskatalog der Krankenkassen aufgenommen wird. Dies ist umso wichtiger, als gerade Jugendliche aus einkommensschwächeren Schichten besonders gefährdet sind und sich die doch erheblichen Kosten der Impfung privat oft nicht leisten können. Es lohnt sich aber auf jeden Fall, individuell abzuklären, ob eine Zusatzversicherung besteht, welche die Kosten zu bis zu 90% übernimmt.

 

Wie steht es mit den Jungs? Sie spielen bei der Übertragung des HP-Virus eine wichtige Rolle … Sollten diese auch geimpft werden?

 

Die Studiendaten zur Impfung bei Jungs sind noch ausstehend. Es besteht aber durchaus die Möglichkeit, dass durch die Elimination des HP-Virus bei Männern das Risiko für ein Krebsleiden des Penis oder des Afters erheblich gesenkt werden könnte; allerdings sind diese Erkrankungen sehr selten und damit müsste eine sehr grosse Zahl geimpft werden, um einen Fall zu verhindern. In Österreich werden zum Beispiel Mädchen und Jungs geimpft, mit der Hoffnung, diese Viren möglichst zu eliminieren. In der Schweiz ist dies zur Zeit nicht vorgesehen.

 

Noch eine letzte Frage, Frau Draths: Sie leisten mit dem firstlove-Projekt einen wichtigen Beitrag zur Prävention bei Jugendlichen. Wer trägt die Kosten?

 

Leider erhalten wir vom Kanton keine finanzielle Unterstützung. Das Projekt firstlove, welches rundum auf sehr reges Interesse stösst, könnte ohne die Unterstützung verschiedener Sponsoren nicht getragen werden.

 

Frau Draths, herzlichen Dank für Ihre interessanten Ausführungen.

 

Mehr zum Thema

 

Weitere Informationen zum Gebärmutterhalskrebs und den Präventionsmöglichkeiten finden sie unter http://de.tellsomeone.ch/.

 

 
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27.08.2007 - dde

 

Mit freundlicher Unterstützung von Sanofi Pasteur MSD

 



 

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