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Obstruktives Schlaf-Apnoe-Syndrom: Aktuelles aus der Lenkerwoche 2006
 
Mediziner berichten darüber, wie man ein Schlaf-Apnoe-Syndrom erkennen kann, welche Folgen die nächtlichen Atemstillstände haben können und wie behandelt werden kann.

 

In der Lenk hat im Mai erneut die Fortbildungsveranstaltung für Ärzte des Spitals Zweisimmen in Zusammenarbeit mit dem Inselspital Bern stattgefunden. Unsere Ärzte waren für Sie anwesend.

 

Das griechische Wort "apnoia" bedeutet Atemstillstand. Dies ist auch das Hauptmerkmal des obstruktiven Schlaf-Apnoe-Syndroms (OSAS).

 

Ein Patient erleidet pro Nacht bis zu 600 Atempausen. Die Folgen sind Tagesmüdigkeit sowie verminderte körperliche und geistige Leistungsfähigkeit.

 

Inhalt


Häufig melden sich die Patienten wegen vermehrter Müdigkeit und Einschlafens am Tag, evtl. Sekundenschlaf beim Autofahren oder ähnlichem. Es gilt, den Unterschied zwischen Tagesmüdigkeit und Tagesschläfrigkeit zu beachten.

 

Zur Beurteilung der Schläfrigkeit am Tag eignet sich die Epworth Sleepiness Skala (pdf 116 kB). Normal ist ein Score von weniger als 10/24 in der Epworth Sleepiness Skala.
 
Wichtigste Punkte in der Schlafanamnese:

  • Schlaftagebuch: Aufzeichnen von Schlafstörungen
  • Schlafdauer (Arbeitszeit, Freizeit), Lang- oder Kurzschläfer?
  • Dauer, Schweregrad, Konsistenz der Beschwerden
  • Schlaf-Wachrhythmus: Schichtarbeit, ''Eule'', ''Lerche''
  • Andere Risikofaktoren: z.B. Alkoholkonsum am Abend

 
 
 

Risikofaktoren für ein Schlaf-Apnoe-Syndrom

  • Männliches Geschlecht
  • Alter
  • Angeborene Verformungen des Kiefers, kleiner Unterkiefer (Mikrognathie)
  • Übergrösse der Zunge (Makroglossie)
  • Vergrösserte Rachenmandeln
  • Genetische Faktoren

Krankheiten die ein Schlaf-Apnoe-Syndrom fördern

  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose)
  • Erkrankung der Hirnanhangsdrüse (Akromegalie), wobei sich Hände und Füsse des Patienten langsam vergrössern, Nase, Lider, Kinn und damit die Zahnstellung verändern sich.
  • Verschlechterte Funktion der oberen Atemluftwege
  • Schlafentzug
  • Schlaffragmentierung, gestörter Schlaf z.B. durch Lärmimmissionen oder durch Piequet-Arbeit
  • Übergewicht und dadurch Verdickung des Halses
  • Noxen: Alkohol, Schlafmittel, Drogen, Nikotin

 
 

Untersuchungsmöglichkeiten für den Arzt

Krankengeschichte, körperliche Untersuchung und spezifische Untersuchungen:

  • 1. Exzessive Tagesschläfrigkeit
  • 2. Zwei oder mehr der folgenden Faktoren:
     - Erstickungsgefühl, ''nach Luft ringen'' im Schlaf
     - Wiederholtes Erwachen aus dem Schlaf
     - Nicht erholsamer Schlaf
     - Tagesmüdigkeit
     - Konzentrationsstörungen
  • 3. Nächtliche Atemstillstände (Respiratory Disturbance Index (RDI)) mehr als 5/h

Weiter Symptome können sein:

  • Schnarchen: häufig, laut, unregelmässig, störend, lageunabhängig
  • Atemstillstände, die von Partnern bemerkt wurden
  • Morgendliche Kopfschmerzen
  • Unruhiger Schlaf, Reizbarkeit, Depression
  • Impotenz, Libidoverlust


Die Messung der nächtlichen Sauerstoffsättigung (Oxymetrie) erkennt das mittelschwere bis schwere OSAS.

 

Aber: eine normale Oxymetrie schliesst ein Schlaf-Apnoe-Syndrom nicht aus! Eine genauere Untersuchung ist die respiratorische Polygraphie. Diese beinhaltet verschiedene Messparameter: Zusätzlich zur Messung der Sauerstoffsättigung wird der Atemfluss gemessen und Schnarchgeräusche und Körperlage werden registriert. Diese Messungen können zu Hause durchgeführt werden, oder im Schlaflabor.

 
 

Mögliche Folgen von nächtlichen Atemstillständen (Apnoen) und Arousals (Weckreaktionen)

  • Pulsschwankungen
  • Blutdruckschwankungen (15 mmHg)
  • Verlust der nächtlichen Blutdruck-Absenkung
  • Herzrhythmusstörungen
  • Sympathikotonus: Erregung des vegetativen sympathischen Nervensystems; Folgen können sein: erhöhter Herzschlag, Schwitzen, erhöhte Körpertemperatur
  • Entzündungszeichen im Blut erhöht
  • Hyperkoagulabilität (Blut neigt zur Gerinnung)

Das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom ist ein Risikofaktor für Schäden in den Gehirngefässen (Hirnschlag) und deren Todesfolgen! (Fachzeitschrift, New England Journal of Medicine, 2005;353:2034)

 
 

Behandlungsmöglichkeiten des Schlaf-Apnoe-Syndroms

Allgemeine Massnahmen

  • Aufklärung
  • Schlafhygiene
  • Gewicht reduzieren
  • Alkohol vermeiden
  • Wirkungen und Nebenwirkungen von Medikamenten beachten
  • Seitenlage

 

Medikamentöse oder chirurgische Massnahmen

  • Behandlung von zusätzlich bestehenden Erkrankungen (Bluthochdruck, Erkrankungen der Schilddrüse, Hirnanhangdrüse etc.)
  • Nächtliche Überdruckbeatmung durch die Nase (nCPAP): Studien haben belegt, dass diese Methode das Risiko für Herzerkrankungen deutlich vermindert. (Lancet 2005;365:1046)
  • Evtl. Chirurgie (Operation an den Gaumenzäpfchen (UPPP)
  • Speziell entwickelte Geräte, welche in den Mund eingebracht werden können und die Atemwege offen halten sollen

 

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Tellmed, Mediscope

31.05.2006 - dzu


 

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