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Patienten-Selbstmanagement der Blutverdünnung
 
An der diesjährigen Jahresversammlung der Schweizerischen Gesellschaft für Innere Medizin (SGIM) referierten Mediziner unter anderem zum Thema ''Dauernde Blutverdünnung und Eigenverantwortung der Patienten''.

 

Verschiedene Krankheiten verlangen, dass der Patient dauernd Medikamente zur Blutverdünnung nehmen muss, z.B. bei wiederholten Thrombosen, Lungenembolien, Herzrhythmusstörungen oder nach einer Herzklappenoperation.

 

Blutverdünnung ist medizinisch gesehen das Eingreifen mit Medikamenten in den körpereigenen Gerinnungsvorgang.

 

''Blutverdünnende'' Medikamente bewirken eine Deaktivierung von Gerinnungsfaktoren. Dadurch gerinnt das Blut weniger schnell – es wird „dünner“. Dadurch kommt es weniger schnell zur Bildungen von Gerinnseln, welche die Blutgefässe verstopfen könnten. Bei zu stark verdünntem Blut besteht die Gefahr einer Spontanblutung.

 

Häufig sind Schleimhaut- und Hautblutungen, die nicht so gefährlich sind. Blutungen im Gehirn oder Magen-Darm-Trakt hingegen können lebensbedrohlich sein. Die Blutverdünnung muss deshalb richtig dosiert und gut „eingestellt“ sein. Die Verantwortung liegt beim Arzt, aber der Patient kann und muss Selbstverantwortung tragen.


Wie bei andern chronischen Erkrankungen – Diabetes, Asthma, Bluthochdruck – sollte der Patient bei der Blutverdünnung mit Medikamenten (orale Antikoagulation, oAK) Selbstverantwortung übernehmen, so der Referent Prof. W.A. Wuillemin aus Luzern.


Eine kürzlich in der Fachzeitschrift Lancet publizierte Studie hat gezeigt, dass die PS-oAK sicher und wirksam ist. PS-oAK heisst: Selbstkontrolle oder Patienten-Selbstbestimmung der oralen Antikoagulation (PS-oAK). Der Patient kontrolliert dabei seine Blutgerinnung regelmässig mit Hilfe eines portablen Messgeräts und dosiert seine blutverdünnenden Medikamente selbstständig.


Seit 1998 werden auch in der Schweiz Patienten in PS-oAK geschult. Diese Schulung beinhaltet einen theoretischen Teil für das Verständnis und einen praktischen Teil für das Beherrschen der Technik der Messung der Gerinnung. Nach der Schulung werden die Patienten 2-3 Monate nachbetreut und gehen dann wieder zurück zum Hausarzt.

 

Folgende Kriterien muss der Patient erfüllen, um an einer PS-oAK-Schulung teilnehmen zu können:

  • Dauerblutverdünnung (Langzeitantikoagulation)
  • Keine zusätzlichen Erkrankungen, welche sowieso regelmässige Arztkontrollen verlangen.
  • Motivation des Patienten
  • Schulungsfähigkeit, gutes Sehvermögen
  • Manuelle Geschicklichkeit
  • Wunsch nach Unabhängigkeit

Der Referent Prof. W. A. Wuillemin stellte eine Schweizer Studie vor, an der 330 Patienten mit PS-oAK beobachtet wurden. Die Resultate stimmten zuversichtlich, so der Referent: Es traten keine Thrombosen oder Embolien auf, praktisch keine schweren Blutungen (0.7%) und nur 7% leichte Blutungen. Der Wert, mit dem die Stärke der Blutgerinnung gemessen wird (INR), war während 72% der Beobachtungszeit im vorab festgelegten Zielbereich.

 

Fazit des Referenten

Patienten-Selbstmanagement in der oralen Verdünnung ist in der Schweiz sicher, wirksam, vereinfacht die Lebensqualität der Patienten und senkt Kosten.

 

Patienten für die PS-oAK-Schulung können in der Schweiz unter folgendem Link angemeldet werden:
http://www.coagulationcare.ch/ oder per E Mail: coagulationcare@ksl.ch


Tellmed, Kongress Schweizerische Gesellschaft für Innere Medizin (SGIM) ,W. A. Wuillemin, Luzern

19.05.2006 - dzu


 

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