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Thromboseprophylaxe: Neues aus der Blutgerinnungsforschung
 
In Wien fand im Februar der Jahreskongress der Gesellschaft für Thrombose- und Blutgerinnungsforschung statt. Die wichtigsten neuen Erkenntnisse im Bereich Thromboseprophylaxe werden hier kurz zusammengefasst.

Operationen, Verletzungen und Krankheiten erhöhen das Thromboserisiko

 

Kompressionsstrümpfe -
eine
Massnahme zur
Thrombose-Prophylaxe
 
Jährlich erkranken 1-2 pro 1'000 Personen an einer Thrombose. In sechs Europäischen Ländern (F, D, I, E, S, GB) wurden im Jahr 2004 761'000 tiefe Venenthrombosen und 370'000 Thrombose-bedingte Todesfälle gezählt. Die Mehrheit der Thrombosen tritt bei älteren Personen auf und hängt mit vorübergehenden Risikofaktoren (Operationen, Schwangerschaft, Verletzungen) zusammen.

 

Bei den Risikofaktoren unterscheidet man:

  • Angeborene Risikofaktoren (häufigste: Faktor V Leiden)
  • Externe Risikofaktoren (Krankheit, Alter, …)
  • Trigger (Operation, Trauma (Verletzung), Geburt, …)

 

Vorübergehende Risikofaktoren sind:

  • Operation oder Trauma (Verletzung)
  • Medizinische Krankheit (Krebs, Herzinfarkt, Herzschwäche …)
  • Bettlägrigkeit, Lähmungen, Langstreckenflug
  • Venöse Erkrankung (Frühere Thrombose, Krampfadern, …
  • Geschlechtsspezifische Faktoren (Männliches Geschlecht, Schwangerschaft, Pille, …)
  • Fremdkörper im Venensystem bei Krankheit (zentraler Venenkatheter…)
  • Medikamente (Chemotherapie, Hormone, …)

In einer Untersuchung von 158 Patienten mit einer zweiten Thrombose fand sich bei 35% kein eruierbarer Risikofaktor.

 

Krebspatienten haben häufig ein beträchtlich erhöhtes Thromboserisiko. Komplikationen von Thrombosen sind bei Krebspatienten die zweithäufigste Todesursache.Trotzdem, es gibt zurzeit keine Empfehlungen, welche Patienten aufgrund welcher Charakteristika wie vor Thrombosen geschützt werden können.

 

Lebensstil beeinflusst das Thromboserisiko

Cannabis

Für den Konsum von Cannabis ist keine Erhöhung des venösen Thromboserisikos nachgewiesen.

 

Rauchen und ''Pille''

Der Effekt des Rauchens auf das Risiko, an einer venösen Thrombose oder Lungenembolie (Verschleppung eines Gerinnsels in die Lungenvenen) zu erkranken, ist gemäss einer grossen Studie relativ gering und nur für aktuelle Raucher bewiesen. Die Risikoerhöhung ist dosisabhängig. Bei Rauchen und Einnahme der Pille hingegen besteht ein ca. 9-fach erhöhtes Risiko. Alkohol in Massen (2-4 Drinks pro Tag) scheint einen schützenden Effekt zu haben.

 

Gewicht

Mit zunehmendem BMI (Body Mass Index) steigt das Thromboserisiko ziemlich linear an. Wenn übergewichtige Frauen die Pille einnehmen, steigt das Risiko massiv (etwa um den Faktor 23).


Vererbte Thrombose-Neigung

Zurückhaltung bei Abklärung bezüglich vererbter Thromobse-Neigung

Allgemein hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass es für die Prophylaxe oder Therapie von Thrombosen keine grosse Bedeutung hat, ob eine angeborene Neigung zur Thrombosebildung besteht oder nicht. Darum ist man von solchen, routinemässig durchgeführen Abklärungen weggekommen.

 

Die Frage nach dem Screening stellt sich häufig bei jungen Frauen vor der Verschreibung der Pille. Auch hier gilt: Die Konsequenzen sind ungewiss. Eine am Kongress vorgestellte Studie zeigte ausserdem, dass die Verunsicherung bei den Frauen nach solchen Abklärungen beträchtlich und die Beratung ungenügend ist. Das überstürzte Absetzen der Pille kann ausserdem zu vielen unerwünschten Schwangerschaften führen.

 

Richtlinien zur Thromboseprophylaxe je nach Risikogruppe

Die aktuellen Empfehlungen basieren auf den im Jahr 2008 publizierten Erkenntnissen einer Amerikanischen Expertengruppe.

 

Praktisch alle Patienten im Spital haben mindestens einen Risikofaktor für die Entwicklung einer Thrombose. Man unterscheidet drei Risikogruppen, woran sich auch die Prophylaxeempfehlungen orientieren:

  • Geringes Risiko: Medizinische oder chirurgische Patienten ohne zusätzliche Risikofaktoren und vollständig mobil.
    Prophylaxe: Keine. Ermutigung zu ausgeprägter Mobilisation. Das Thromboserisiko sollte täglich neu beurteilt werden.
  • Mittleres Risiko: Medizinische, kranke Patienten mit Bettruhe und Patienten mit Operationen durch den Frauenarzt, den Urologen oder den Neurochirurgen.
    Prophylaxe: Blutverdünnung (oder Komopressionsstrümpfe, wenn Blutverdünnung nicht möglich). Dauer: bis zur Spitalentlassung.
    Hohes Risiko: Patienten mit grösseren orthopädischen Eingriffen (Implantation einer Hüft-/Knietotalprothese, Hüftbruch) oder schwerem Trauma.
    Prophylaxe: Blutverdünnung (oder Komopressionsstrümpfe, wenn Blutverdünnung nicht möglich). Dauer: 2-5 Wochen.

Die Kompressionsstrümpfe sollten gut angepasst und 24 Stunden pro Tag getragen werden.

 

Neue Blutverdünner machen Spritze überflüssig

Herkömmliche Medikamente wie Fraxiparin® oder Marcumar® haben sich als effektive Medikamente zur Verhinderung von Thrombosen etabliert. Sie haben aber eine Reihe von Nachteilen; so können einige von ihnen nur gespritzt werden, andere haben einen sehr verzögerten Wirkungseintritt und müssen regelmässig durch Labormessungen kontrolliert werden (Quick) oder die Wirkungsintensität ist abhängig von der Nahrung oder der Einnahme anderer Medikamente.

 

Rivaroxaban ist ein neuer in der Schweiz seit Anfang 2009 für die Thromboseprohylaxe nach orthopädischen Eingriffen zugelassener Blutverdünner. Vorteil: Der Wirkstoff kann als Tablette eingenommen werden. Unabhängig vom Körpergewicht kann er von allen Patienten in einer fixen Dosierung geschluckt werden und erfordert keine Laborkontrollen.

 

Grosse Studien haben die thromboseverhindernde Wirkung und Sicherheit von Rivaroxaban an vielen Tausend Patienten mit Hüft- und Knie-Totalprothesenimplantation untersucht, und zwar im Vergleich zum Gold-Standard-Blutverdünner Enoxaparin. Gegenüber Enoxaparin verzeichneten die Studienautoren durch die Gabe von Rivaroxaban insgesamt eine Halbierung der Thrombosefälle. Es waren keine vermehrten Blutungen und  keine anderen gehäuften Nebenwirkungen nachweisbar.

 

Erste vielversprechende Resultate zeigen auch andere in Tabelttenform einnehmbare Blutverdünner. Diese sind jedoch zur Zeit in der Schweiz noch nicht auf dem Markt und wurden deshalb in dieser Zusammenfassung nicht berücksichtigt.

 

Die Resultate weiterer grosser Untersuchungen in der Therapie der Thrombose und bei anderen Krankheitsbildern - zum Beispiel Herzrhythmusstörungen - werden zeigen, ob die neuen Blutverdünner die klassischen Medikamente ersetzen können.

 

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16.02.2009 - dzu


 

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