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Was läuft falsch im ersten Lebensjahrzehnt der Kinder? Wie kann
das Körpergewicht beeinflusst werden?

Workshop Nr. 307: Lukas Zahner, Dr. phil. nat., Biologie, Dozent am Institut für Sport und Sportwissenschaften der Universität Basel und am Bundesamt für Sport BASPO, Magglingen und Susi Kriemler, Dr. med., Oberärztin, Dozentin für Sportphysiologie an der ETH und Universität, Zürich.

 

Warum sind unsere Kinder übergewichtig? Führt die mangelnde Aktivität zum Übergewicht? Oder ist es primär das Übergewicht und als Konsequenz die Inaktivität, welche den Teufelskreis schliesst? Erst wenn die Hauptgründe klar sind, können Lösungsansätze postuliert werden, die praktikabel, effektiv und finanziell tragbar sein müssen.


Kindliches Übergewicht – eine Zeitbombe!

Fest steht, dass sich die Zahl übergewichtiger Kinder in den letzen 20 Jahren in Europa verdoppelt hat. In der Schweiz hat sie sich seit 1960 vervierfacht. Übergewicht, ein kardiovaskulärer Risikofaktor, begünstigt die Entstehung von Diabetes mellitus Typ 2, Dyslipidämie und Hypertonie.

 

In den USA leiden bereits 50% der adipösen Adoleszenten an Diabetes mellitus Typ 2. Übergewicht fördert ausserdem die körperliche Inaktivität, mit der Folge, dass motorische Fähigkeiten nicht ausgebildet werden. Dies wirkt sich z.B. auf die Unfallrate aus. Übergewichtige, schwerfällige Kinder sind sozial isoliert, was Auswirkungen auf die Psyche und die schulischen Leistungen hat.


Ein wichtiges Ziel auf dem Weg zum gesunden Körpergewicht ist eine ausgewogene Energiebilanz. Bereits 2% Differenz zwischen Einnahme und Verbrauch können zu Übergewicht führen (z.B. 15 Minuten ruhig vor dem Fernseher sitzen anstatt 15 Minuten Bewegung). Das Kind hat einen natürlichen Bewegungsdrang, der ausgelebt werden soll.

 

Bewegungserfahrung bringt persönliche Sicherheit. Kinder, die bereits im Kindergarten motorisch auffallen, sind häufig übergewichtig, werden im Verlauf im Sport und Spiel benachteiligt und entwickeln sich zu Bewegungsmuffeln. Leider ist das Verhalten des Umfelds häufig falsch. Anstatt diese Kinder zu aktivieren, werden sie geschont - der Dicke steht im Goal oder er ist Ersatzspieler. Jedes Kind sollte pro Tag ca. 1 Stunde körperlich aktiv sein. Dieses Ziel wird häufig nicht erreicht. Eine deutsche Umfrage zeigte, dass während einer Turnstunde teilweise nur gerade 5 Minuten körperlich aktiv gearbeitet wurde.


Inaktive Kinder sind leider auch inaktiv als Erwachsene. Aktive Kinder bleiben ein Leben lang aktiv. Das Profil ändert sich nicht mit dem Erwachsenenalter. Der Ansatz ist klar: Kinder müssen Freude haben an Bewegung und sie müssen sich austoben können trotz Stadt, Strassen und Zeitmangel.

 

Mütter sollten die Kinder nicht in die Schule fahren. Angst vor Gefahren führt zu verschiedenen Verboten, die den Bewegungsraum einschränken. Auf Bäume klettern fördert die motorische Entwicklung und sollte gefördert werden. Wenn keine Bäume vorhanden sind, soll der Bewegungsdrang anderswo ausgelebt werden können, auch in einer Wohnung!

 

Das Ziel ist klar - Kinder müssen bewegt werden

Im Rahmen der Kinder- und Jugendsport-Studie Region Basel (KISS) werden die gesundheitlichen, physischen, psychischen und sozialen Auswirkungen von Bewegung und Sport bei Kindern im Alter von 7 und 11 Jahren untersucht. In der Gesamtuntersuchung wird der Frage nachgegangen, ob das Bewegungsverhalten der Kinder durch gezielte Förderungsmassnahmen in der Schule beeinflusst werden kann. Die Studie dauert von Mai 2004 bis Oktober 2006. Die Kinder erhalten während eines ganzen Schuljahres 5 anstatt 3 Stunden Sportunterricht, auf Kosten von 2 Stunden Normalunterricht.

 

Die ersten Erfahrungen sind durchwegs positiv. Die Kinder sind bildungsmässig trotz zusätzlicher Sportstunden nicht weniger weit als Kinder mit 3 Stunden Sportunterricht . Die jungen Projektteilnehmer sind ausgeglichen und freuen sich über die zusätzlichen Sportstunden. Das zusätzliche Fitnessprogramm wird nicht als Stress wahrgenommen.

 

Andere Arbeiten bei 5 – 7-jährigen Kindern zeigten zudem, dass Bewegungskurzpausen die Unterrichtsmonotonie unterbrechen und den Lerneffekt massiv verbessern. Körperliche Aktivität trägt zum Lernen bei. Aktive und leistungsfähige Kinder sind ausserdem sozial integriert.

 

 
Mediscope-  Dr. med. Susanne Schnorf-Huber und Dr. med. Daniel Desalmand
 
20.03.2006 - dzu
 



 

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