Eine Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs
Die Veranstaltung „Jung, weiblich, gesund?“ vom 27. Mai 2009 an der Universität Zürich beschäftigte sich mit der weiblichen Sexualität. Sowohl deren lustvolle als auch risikoreiche Seite wurde beleuchtet. Lesen Sie hier eine Zusammenfassung des Vortrags von Frau Dr. Claudia Canonica vom Universitätsspital Zürich.
Hintergrund zur HPV-Infektion
Das humane Papillomavirus (HPV) ist ein weit verbreitetes Virus, das die Haut und die Schleimhäute befallen kann.
Es ist der häufigste Erreger sexuell übertragbarer Infektionen. 70 bis 80% der sexuell aktiven Bevölkerung infiziert sich im Laufe des Lebens mit HPV. Die Mehrheit der Infizierten bildet Antikörper gegen HPV und wird dadurch immun. Doch längst nicht bei allen verläuft die HPV-Infektion ohne Folgen.
Bis heute sind mehr als 100 verschiedene HPV-Typen bekannt: solche mit niedrigem Risiko und solche mit hohem Risiko für Krebsentstehung. Zu den risikoarmen gehören z.B. HPV 6 und HPV 11, die gutartige Warzen bilden. Zu den risikoreichen gehören z.B. HPV 16 und HPV 18, die für 70% aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich sind.
Welche Körperregionen sind betroffen?
Betroffen ist vor allem der Genitalbereich. Dort kann HPV zu gutartigen und im schlimmsten Fall zu bösartigen Zellveränderungen führen. Als Folge können gutartige Warzen (sogenannte Kondylome), aber auch Krebsvorstufen (Dysplasien) oder Krebs entstehen. Am häufigsten sind der Gebärmutterhals und die Scheide betroffen.
Wie erfolgt die Infektion?
HPV wird vorwiegend durch Geschlechtsverkehr übertragen, wobei die Häufigkeit mit der Zahl der Sexualpartner zunimmt. Eine Übertragung durch Hautkontakt oder Schmierinfektionen ist selten. 38% aller Neuinfektionen erfolgen dabei zwischen dem 18. und 28. Lebensjahr.
Die meisten HPV-Infektionen verlaufen symptomlos und ohne zu Zellveränderungen zu führen.
Wer erkrankt an HPV?
Frauen erkranken häufiger an HPV als Männer. Jüngere und sexuell aktive Frauen erkranken ebenfalls häufiger als ältere und sexuell inaktive Frauen. Auch die körpereigene Abwehr (Immunsystem) spielt eine Rolle. So erkranken Immungeschwächte häufiger als Gesunde.
In der Schweiz gibt es für Neuinfektionen bei Frauen zwei Altersgipfel: einer liegt im Alter von 20 bis 30 und ein zweiter Gipfel um die 60. Bei jüngeren Frauen ist häufiger der Muttermund, bei älteren Frauen häufiger die Schamlippen befallen. In der Schweiz gibt es pro Jahr etwa 250 Frauen, die an Gebärmutterhalskrebs erkranken und ca. 90 Frauen sterben pro Jahr daran.
Was kann man gegen HPV unternehmen?
Kondome schützen speziell gegen HPV nur bedingt, da HPV nicht nur am Penis des Mannes vorkommt, sondern auch am Hodensack. Aber auch unter den Nägeln wurde das HPV-Virus gefunden. Als sichere Präventionsmassnahme eignet sich daher nur ein jährlicher Krebsabstrich (PAP-Abstrich) beim Frauenarzt. Da es mehrere Jahre (im Schnitt 10 Jahre) dauert, bis aus befallenen Zellen ein Krebs entsteht, ist es wichtig, dass man regelmässig zum Frauenarzt geht. Dadurch kann eine Krebsvorstufe rechtzeitig entdeckt und behandelt werden.
Der Gebärmutterhalskrebs ist nach Brustkrebs weltweit der zweithäufigste Krebs der Frau. Es gibt etwa 500'000 neue Fälle pro Jahr. Er wird fast zu 100% durch HPV verursacht, wobei in 70% der Fälle die beiden Hochrisikotypen HPV 16 und HPV 18 verantwortlich sind.
In der Schweiz kann man sich seit gut 2 Jahren mit einem präventiven Impfstoff gegen HPV impfen lassen. Es handelt sich um einen quadrivalenten Impfstoff. Quadrivalent deshalb, weil er gegen die 4 häufigsten HPV-Typen – HPV 6 und 11 als häufigsten Erreger von Genitalwarzen sowie HPV 16 und HPV 18 als häufigsten Erreger von Gebärmutterhalskrebs - schützt.
Welcher Schutz kann durch die Impfung erwartet werden?
Mit der Impfung lassen sich 70% aller Fälle von schweren Krebsvorstufen und Gebärmutterhalskrebs sowie 90% aller Warzen verhindern. Ausserdem können 80% aller Krebsvorstufen und Krebsfälle der Scheide verhindert werden.
Ist diese Impfung gefährlich?
Wie bei allen anderen Impfungen auch, kann bei Vorliegen einer Unverträglichkeit auf einen Bestandteil der Impfung eine schwere lebensbedrohliche Reaktion (anaphylaktischer Schock) auftreten. Zu erwarten ist aber lediglich eine vorübergehende Rötung und Schwellung an der Einstichstelle, die mit Juckreiz einhergehen kann.
Möglich sind auch allgemeine, systemische Impfreaktionen wie Fieber, Ausschlag oder Juckreiz. Die Untersuchungen zur Sicherheit der Impfung zeigten im Vergleich zu Placebo (Impfung ohne Medikament) keine wesentlichen Unterschiede bei den unerwünschten Wirkungen. Weltweit wurden bis anhin über 44 Mio Impfungen vertrieben.
Ist die Impfung therapeutisch wirksam?
Eine bestehende Infektion oder bereits vorhandene Zellveränderungen können mit der Impfung nicht beseitigt werden. Wenn die Zellen bereits befallen sind, dann wird man durch die Impfung nicht gesund. Die Impfung schützt aber vor einer Neuinfektion mit anderen vom Impfstoff abgedeckten HP-Viren. Es handelt sich somit nur um eine vorbeugende und nicht um eine therapeutische Impfung.
Wann und wer soll geimpft werden?
Die Impfung ist am wirksamsten, wenn vor dem Kontakt mit HPV geimpft wird, also vor Beginn der sexuellen Aktivität. Denn, sobald man Geschlechtsverkehr hat, kommt man mit HPV in Kontakt. Zusätzlich ist die Antwort auf die Impfung im Kindes- und Jugendalter am besten und stärksten und es sind auch die geringsten Nebenwirkungen zu erwarten.
In der Schweiz liegt das Alter beim ersten Geschlechtsverkehr im Schnitt bei 18.5 Jahre. Im Alter von 20 Jahren hatten 80% der Jugendlichen bereits Geschlechtsverkehr. Ein nicht unbeträchtlicher Anteil (7% der Mädchen und 13% der Jungen) hat aber bereits vor dem 15. Lebensjahr Sex.
Der Impfstoffe wurde bis zu einem Alter von 26 Jahren geprüft und ist somit bis zu diesem Alter zugelassen. Auch bei bereits sexuell aktiven Frauen kann sich die Impfung noch lohnen.
Wie wird geimpft?
Die Impfung erfolgt in 3 Dosen, normalerweise zu den Zeitpunkten 0, 2 und 6 Monate. In der Schweiz wird die Basisimpfung für Mädchen von 11 bis 14 Jahren (vor dem 15. Geburtstag) empfohlen. Für die nächsten 5 Jahre (bis 2012) ist eine Nachholimpfung bei Mädchen und Frauen im Alter von 15 bis 19 Jahren möglich. Diese müssen innerhalb der kantonalen Programme von der Krankenkasse übernommen werden. Für die 20 bis 26 jährigen Frauen wird eine ergänzende Impfung aufgrund der individuellen Situation empfohlen. Eine Kostenübernahme erfolgt hier gemäss der Zusatzversicherung.
Was wird die HPV-Impfung bringen?
- 75% weniger Fälle von Gebärmutterhalskrebs
- 70% weniger schwere und 50% weniger leichte Krebsvorstufen
- 90% weniger Fälle von Scheidenkrebs
- Über 90% weniger Warzen im Geschlechtsbereich
Die HPV-Impfung ist als Vorbeugung sehr gut wirksam und wirkt mit nahezu 100%iger Sicherheit gegen die 4 häufigsten HPV-Typen. Es ist aber keine therapeutische Impfung. Gegen andere HPV-Typen, die seltener aber auch krebsauslösend sein können, wirkt die Impfung nicht. Daher ist die Krebsvorsorge beim Frauenarzt auch nach der Impfung weiterhin notwendig.
Zur Referentin: Dr. med Claudia Canonica ist seit 2007 Oberärztin an der Klinik für Gynäkologie des Universitätsspitals Zürich und an der Frauenklinik für die Dysplasiesprechstunde zuständig. HPV Hotline: 079 688 60 22
22.04.2013