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Fragen und Antworten zu Lebensmittelallergie /Unverträglichkeit

frauen am compi
In Zusammenarbeit mit Herrn Dr. Wilder-Smith von der Gastroenterologische Gruppenpraxis Bern und Coop Free From wurden die am häufigsten gestellten Fragen zum Thema zusammengestellt.

Für ganz spezifische Fragen sollten Sie aber auf jeden Fall Ihren Arzt konsultieren.

Symptome und Beschwerden bei Unverträglichkeit /Allergie

Bei der Nahrungsmittel-Allergie reagiert der Körper auf das Nahrungsmittel wie auf einen Fremdkörper mit der Bildung von Abwehrzellen. Es kommt zu einer allergischen Reaktion des körpereigenen Abwehrsystems (Immunreaktion). Bei der Nahrungsmittel-Unverträglichkeit (auch Nahrungsmittel-Intoleranz) kann der Körper einen bestimmten Stoff nicht verdauen. Die Unverträglichkeit hat aber keinen immunologischen Ursprung. Das heisst der Körper bildet keine Antikörper, sondern reagiert mit Beschwerden auf das Nahrungsmittel.

Zu Nahrungsmittel: Unverträglichkeit oder Allergie?

Magen-Darm-Symptome können sowohl bei Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten als auch -Allergien auftreten. Allerdings gibt es bei Allergien häufiger Begleitreaktionen ausserhalb des Verdauungstraktes, was bei Unverträglichkeiten nicht der Fall ist. Typische Symptome sind Hautausschläge, Juckreiz, laufende Nase, Anschwellen der Lippen oder Zunge. Die gefährlichste Reaktion auf Allergene ist der lebensgefährliche anaphylaktische Schock, bei dem das Herz-Kreislauf-System versagt.

 

Die Beschwerden sind von verschiedenen Faktoren abhängig, wie zum Beispiel dem Füllungszustand des Magens und davon in welcher Kombination das nicht vertragene Nahrungsmittel gegessen wird. Auch äussere Faktoren wie Stress oder auch eine Entzündung  können eine Rolle spielen.

Ja, das ist häufig der Fall. Manche Reaktionen bei Kindern verschwinden aber auch wieder; in der Pubertät oder schon vorher.

Bei Kindern können einige dieser Erkrankungen verschwinden. Bei Erwachsenen hingegen ist eine lebenslange Dauer die Norm.

Bei der Gluten-Unverträglichkeit (Zöliakie) sind einige Spätschäden bekannt. So zum Beispiel Magen-Darm-Blutungen mit Eisenmangel und  seltener auch Krebsarten. Deshalb ist eine strikte Diät sehr wichtig (siehe Frage 10 Abklärungen und Hilfe). Bei anderen Unverträglichkeiten sind keine Spätschäden dokumentiert. Möglicherweise treten in einigen Fällen Vitamin- oder Mineralmangelzustände auf; auch depressive Stimmungsveränderungen sind möglich.

Ja, eine weitere Sensibilisierung auf die Nahrungsbestandteile ist möglich. Eine solche Steigerung der Reaktion ist gefährlich, da dann das Risiko einer Anaphylaxie (schwere allergische Reaktion).

Normalerweise wird Milch- und auch Fruchtzucker im Dünndarm aufgenommen und abgebaut. Ist dieser Prozess unvollständig, gelangt der Zucker in den Dickdarm. Die dort vorhandenen Bakterien setzen den Zucker um. Dabei entstehen Gase und Substanzen, die die Beschwerden auslösen. Weitere Informationen >>

Abklärung und Hilfe bei Lebensmittelallergien

Es gibt zur Zeit keine eindeutigen Tests. Weder Blut- noch Hauttests sind zuverlässig, obwohl sie manchmal weiterhelfen können. Deswegen ist es sehr wichtig, dass Sie genau beobachten, nach welchen Nahrungsmitteln die Beschwerden auftreten. Ein Ernährungstagebuch ist dabei sehr hilfreich. Gelegentlich ist auch eine Suchdiät bei einer Ernährungsberaterin sinnvoll, bei welcher Nahrungsmittelgruppen stufenweise ausgetestet werden. Testen Sie Allergien jedoch nie selber wegen eines möglichen anaphylaktischen Schocks.Dieser Test sollte nur bei einem Arzt durchgeführt werden.

Diese Frage sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen, da die Antwort individuell ausfallen kann. Generell muss der Arzt Darmentzündungen und –infektionen, sowie bei über 40-jährigen auch Krebserkrankungen ausschliessen können.

Eine Vererbung ist durch Veranlagung möglich, aber nicht zwingend. Einige Unverträglichkeiten sind erworben, d.h. die Hauptauslöser sind dann z.B. schwere Magen-Darm-Grippen.

Hier ist es empfehlenswert, mit einer Ernährungsberaterin einen Ernährungsplan mit Ersatznahrungsmitteln für Getreide, Milch, Früchte etc. auszuarbeiten. Oft können Multivitamin- und Spurenelement-Tabletten zudem wertvolle Elemente liefern. Kontaktieren Sie hierzu Ihren Arzt.

Ja, dies ist relativ häufig der Fall. In ca. 30% der Fälle geht eine Milchzucker- mit einer Fruchtzucker-Unverträglichkeit einher. Ebenso kann beispielsweise eine Fruchtzucker-Unverträglichkeit gleichzeitig mit einer Milcheiweiss-Allergie auftreten. Wenn Sie Ihre Ernährung konsequent umgestellt haben und Ihre Beschwerden trotzdem weiter auftreten, sollten Sie deshalb weitere Ursachen in einer zweiten Runde bei Ihrem Arzt abklären lassen.

Es gibt keine zuverlässigen Selbsttests, da die meisten Nahrungsmittel mehrere mögliche Auslöser enthalten. Beispielsweise können Beschwerde-Symptome beim Milchgenuss auf eine Milchzucker-Unverträglichkeit oder aber auf eine Milcheiweiss-Allergie hinweisen. Konsultieren Sie deshalb bei Beschwerde-Symptomen immer Ihren Arzt zur weiteren Abklärung.

Atemtests bei Ihrem Arzt sind einfach durchzuführen und am zuverlässigsten. Während der Tests werden sowohl Ihre Symptome, als auch die Gase in der Ausatmungsluft genau erfasst. Blut- und Stuhltests sollten nicht mehr verwendet werden; genetische Tests können unterstützend hilfreich sein.

Dies ist häufig der Fall. Kann der Arzt eine Nahrungsmittel-Unverträglichkeit oder -Allergie nachweisen, bringt eine Ernährungsumstellung oft eine wesentliche Linderung der Beschwerden.  

Da Beschwerden oft auf eine Zucker-Unverträglichkeit zurückzuführen sind, ist es empfehlenswert, dies als erstes testen zu lassen. Bitten Sie Ihren Hausarzt darum, mittels Atemtest zu überprüfen, ob Sie an einer Zucker-Unverträglichkeit leiden. Ist dies nicht der Fall, bitten Sie um eine Zuweisung zu einem Magen-Darm-Spezialisten mit Interessengebiet Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten für weitere Abklärungen.

Wenn Sie an einer Gluten-Unverträglichkeit (Zöliakie) leiden, ist es wichtig, Ihre Ernährung konsequent umzustellen und auf glutenhaltige Speisen lebenslang zu verzichten (siehe Frage 6 Symptome und Beschwerden). Bei einer Unverträglichkeit bewirken glutenhaltige Speisen eine Schädigung der Schleimhaut im Dünndarm mit schwerwiegenden Spätfolgen. Wird eine glutenfreie Ernährung eingehalten, kann die Schleimhautfunktion wieder hergestellt werden. Bei Zöliakie sind regelmässige ärztliche Kontrollen empfehlenswert, um den Verlauf zu beobachten. Zudem kann Ihnen bei der Ernährungsumstellung eine Ernährungberaterin zur Seite stehen.

Ernährung bei Unverträglichkeit /Allergie

Beachten Sie die Zutatenliste bei verarbeiteten Produkten  und achten Sie auf den Allergiehinweis. Wenn Ihr Allergen erwähnt ist, sollten Sie das Produkt nicht essen.

Eier, Erdnuss, Fisch, Gluten, Krebstiere, Milch, Sesam, Soja, Sulfit, Sellerie, Senf, Cashewnuss, Haselnuss, Macadamianuss, Mandel, Paranuss, Pecannuss, Pistazien, Baumnuss, Lupinen und Weichtiere.

Zur Hühnerei-Allergiezur Nussallergiezur Meeresfrüchte- und Fischallergie

Dies hängt vom Allergen ab. Bei den folgenden Allergenen gelten folgende Minimalmengen als deklarationspflichtig:

  • Sulfit: deklarationspflichtig ab 10 mg pro Kilogramm oder Liter genussfertigem Lebensmittel
  • Gluten: deklarationspflichtig ab 10 mg Prolamin pro 100g Trockenmasse
  • Restliche Allergene: deklarationspflichtig ab einem Gramm pro Kilogramm.

 

Grundsätzlich sollten Sie Spuren des Stoffes, auf welche Sie allergisch sind, meiden. Konsultieren Sie unbedingt Ihren Arzt, um abzuklären, wie stark Ihre Unverträglichkeit oder Allergie ausgeprägt ist. Er wird Ihnen sagen, ob Sie eine gewisse Menge des Allergens vertragen, ohne dabei allergische Symptome zu zeigen, oder ob Sie schon auf Spuren allergisch reagieren. Bei einer Gluten-Unverträglichkeit sollten Sie jegliche Spuren meiden.

Spuren von Allergenen entstehen durch eine sogenannte "Kreuzkontamination" in der Produktion. Wenn ein Betrieb zum Beispiel in der gleichen Anlage Weizen- und Maismehl mahlt, ist eine Verunreinigung des Maismehls durch das glutenhaltige Weizenmehl nicht auszuschliessen.

Sie können folgende Nahrungsmittel bedenkenlos essen:

  • Von Natur aus glutenfreie Produkte wie Reis, Mais, Hirse, Kartoffeln, Buchweizen, Teff, Kastanien, Soja, Linsen, Quinoa, Amaranth, Tapioka/Maniok
  • Gemüse und Früchte
  • Milchprodukte, sofern nicht gleichzeitig Verdacht auf eine Lactose-Unverträglichkeit besteht
  • Gekennzeichnete glutenfreie Spezialprodukte wie Mehl, Brot, Teigwaren etc. sind bei Grossverteilern und in Reformhäusern erhältlich.

Sie sollten glutenhaltige Produkte meiden. Gluten ist der Oberbegriff für Proteine (Eiweisse), die in bestimmten Getreidesorten vorkommen (siehe Frage 8 Symptome und Beschwerden). Bei der glutenfreien Ernährung müssen deshalb herkömmliche Mehlspeisen wie Teigwaren, Brot und Gebäck gemieden werden. Viele Fertigprodukte enthalten ebenfalls Gluten. Deshalb ist es wichtig, dass Sie beim Einkauf auf die Zutatenliste achten. Ausserdem können auch Nahrungsmittel, die eigentlich glutenfrei sind Spuren von Gluten enthalten.

Siehe Frage 5 Ernährung >>

Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Dinkel, Ur-Dinkel, Grünkern, Triticale, Kamut, Einkorn und Emmer.

 

Beim Grossverteiler oder im Reformhaus. Zudem können die Produkte auch über die Online-Shops der Grossverteiler direkt nach Hause bestellt werden.

Bei Produkten, die als glutenfrei bezeichnet werden, dürfen nicht mehr als 10 mg Prolamine (Eiweisse in Getreiden) pro 100 g Trockenmasse enthalten sein.

Ja, aber fragen Sie unbedingt vor dem Bestellen nach, ob das Menü glutenfrei ist. Sicherer ist es, ein Restaurant mit ausgewiesener glutenfreier Speisekarte aufzusuchen. Eine Liste der Restaurants, die glutenfrei kochen, finden Sie hier >>

Ja, Gluten ist ein Allergen und muss als solches deklariert werden: entweder in der Zutatenliste oder im Allergiehinweis. Garantiert glutenfrei sind Produkte mit der Deklaration "glutenfrei" oder der Garantiemarke (durchgestrichene Ähre in Kreis).

Im Kochbuch "Glutenfrei kochen und backen" von Carine Buhmann

Lactosefrei darf ein Produkt genannt werden, wenn es maximal 0.1% Restlactosegehalt enthält. Der Restlactosegehalt ist auf der Verpackung deklariert.

Bei der Herstellung von lactosefreien Produkten ist es nicht möglich, Lactose vollständig zu entfernen. Es bleibt jeweils ein geringer "Restlactosegehalt" von unter 0.1%. Dieser ist bei einer Lactose-Unverträglichkeit meist unbedenklich.

Lactose besteht aus den beiden Einzelteilen Glucose (Traubenzucker) und Galactose. Diese müssen zuerst aufgespaltet werden, damit sie ins Blut aufgenommen werden können. Dazu ist das Verdauungsenzym Lactase notwendig. Bei Menschen mit einer Lactose-Unverträglichkeit wird das Enzym Lactase gar nicht oder nicht ausreichend produziert. Die Lactose gelangt unverdaut in den Dickdarm, was die Beschwerden verursacht.

Beim Grossverteiler oder im Reformhaus. Zudem können lactosefreie Produkte auch über die Online-Shops der Grossverteiler direkt nach Hause bestellt werden.

Bei einer Ernährungsumstellung ist eine Ernährungsberatung empfehlenswert. Eine Ernährungsberaterin finden

Coop Free From, Gastroenterologische Gruppenpraxis Bern

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