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Physiotherapie bei restriktiven Ventilationsstörungen

Etliche Krankheiten können zu restriktiven Ventilationsstörungen führen.

Durch verschiedene Faktoren (z.B. Entzündungen, Muskelschwächen, Fehlhaltungen) ist die Lungenfunktion vorübergehend oder dauerhaft beeinträchtigt. Während der Untersuchung entscheidet der Physiotherapeut, welche Aspekte die Atmung am meisten einschränken und richtet die Therapie danach aus.

Allgemein richtet sich das Augenmerk auf:

Atemtechnik

Ziel ist grundsätzlich eine entspannte Bauchatmung, bei der die Aktivität des Zwerchfells und der primären Atemmuskulatur unterstützt wird. Jedoch muss die Therapeutin bei jedem Patienten individuell abklären, welche Atemtechnik am sinnvollsten ist, damit weder Schmerzen, Ermüdung, noch Hyperventilation riskiert werden und die Atmung sowohl effektiv wie auch ökonomisch ist.

Belüftung und Durchblutung der Lunge

Bei einigen Erkrankungen ist das Lungengewebe beispielsweise durch Entzündungen vorübergehend in seiner Funktion eingeschränkt oder Vernarbungen haben es dauerhaft geschädigt. Damit sind die Blähungsfähigkeit und die Lungenbelüftung herabgesetzt. Auch der Sauerstoffaustausch ist durch eine vermindert durchblutete Lungenoberfläche eingeschränkt.

In diesen Fällen kann mit der physiotherapeutischen Behandlung lediglich die Atemarbeit direkt beeinflusst werden. Ziel ist es, die Atemarbeit zu erleichtern. Dies verbessert und vertieft allenfalls die Atmung, was in der Folge die Durchblutung der Lunge ebenfalls verbessert.

Dies geschieht indem:

Atemmuskeln, Haut und Bindegewebe

Voraussetzung für eine gute Atmung ist eine gute Funktion der primären Atemmuskeln, des Zwerchfells und jener der Zwischenrippenmuskeln. Die atemunterstützende Muskulatur, wie die Bauch- und die Schultergürtelmuskeln, muss ebenfalls gut funktionieren Das darüber liegende Gewebe kann verspannt und schmerzhaft sein, sodass eine optimale Atembewegung gestört wird. Zur Linderung von Verspannung und Verbesserung der Muskelfunktion helfen:

  • Verkrampfungen und Verspannungen lösen z.B. durch Massage, Wärme, Dehnungen, Bewegung
  • Dehnen der Muskulatur: Verkürzte Muskulatur verhindert eine optimale Atembewegung
  • Packegriffe, Rolltechnik: Dabei wird flächig mit beiden Händen eine Hautfalte gefasst und leicht von den Rippen weggezogen oder "weggerollt". Beim Packegriff kann der Patient versuchen die Hautfalte "wegzuatmen".
  • Bei muskulärer Schwäche, Training der betroffenen Muskulatur, soweit wie möglich. Fürs Zwerchfell eignet sich zum Beispiel kräftig schnüffelndes Einatmen.
  • Atemunterstützende Haltung: Je aufrechter und auch gerader der Rumpf ist, desto besser kann sich die Lunge von selbst aufdehnen. Bei schwacher Atemmuskulatur, erleichtern Körperhaltungen mit aufgestützten Armen die Atmung (Siehe obstruktiv Lungenerkrankungen: atemerleichternde Positionen)
  • Die allgemeine Kondition sollte gesteigert werden, jedoch ohne den Patienten zu erschöpfen.

Haltung, Beweglichkeit und Veränderungen des Brustkorbes

Eine optimale Haltung ist für die effektive Atmung wichtig. Die Rippen müssen sich ungehindert heben und senken können und die Brustwirbelsäule muss frei beweglich sein. Narben, Verwachsungen, Operationen oder Fehlhaltungen und Fehlstellungen im Bereich des Rumpfes können die Atmung beeinträchtigen.

Physiotherapeutische Behandlung:

  • Mobilisation des Brustkorbes: Dabei wird die Beweglichkeit der Rippengelenke und der Brustwirbelsäule gefördert, um eine optimale Beweglichkeit der Rippen zu erhalten.
  • Herabsetzen von erhöhtem Gewebswiderstand in Haut und Muskulatur (siehe: Atemmuskeln, Haut)
  • Vorbeugen und dehnen (nur frische) von Pleuraschwarten (siehe: Verklebung und Narben)
  • Haltungsschulung
  • Schmerzbehandlung

Verklebungen und postoperative Narben

Verklebung und Vernarbungen der Pleura lösen

Bei Erkrankungen, die auch das Brustfell betreffen, wie beispielsweise bei der Brustfellentzündung, Tuberkulose oder bei Tumoren, kann es zu Verklebungen zwischen Brust und Lungenfell kommen. Diese Verklebungen sind reversibel, sofern sie behandelt werden. Können Verklebungen längere Zeit nicht gelöst werden, kommt es zu Vernarbungen, also einer dauerhaften Verwachsung. In den Bereichen der Verwachsungen ist die Dehnbarkeit der Lunge vermindert und damit auch ihre Funktion.

Da entzündliche Prozesse des Brustfells sehr schmerzhaft sind, ist in der akuten Phase eine gute medikamentöse Schmerzbehandlung wichtig. Erst beim Abklingen der Schmerzen kann der Fokus auf die Vorbeugung von Verklebungen gelegt werden. Zur Prophylaxe eignen sich die Dehnungen für den gesamten Brustkorb (Thorax) und gleichzeitig tiefes Atmen in den gedehnten Bereich. Beispiele:

  • Betontes Ausatmen in Dehnposition im Liegen
  • Yogaübungen: z.B. Giraffe, Kobra
  • Dehnungen von Brustkasten und Brustmuskulatur, auch seitlich
Giraffe beids
Yogaübung: Giraffe beidseitig

 

Kobra
Yogaübung: Kobra

 

Yogaübung:
Seitliche Dehnung

 

Dehnen
Dehnungen von Brustkasten und Brustmuskulatur

 

 

Die Übungen sollte der Patient mehrmals täglich während zirka 10 Minuten selbständig und unter Berücksichtigung der Schmerzgrenze durchführen.

Narbenbehandlungen nach Operationen

Nach Operationen am Rumpf wie beispielsweise nach Herz- und Bauchoperationen aber auch nach einer Lungenteilentfernung ist es wichtig, dass die Atembewegung durch Narben nicht langfristig behindert wird
Anfänglich darf die Narbe nicht übermässig belastet werden, weshalb die Physiotherapeuten erst nach der ersten Wundheilungsphase mit der Narbenbehandlung beginnen. Ziel ist, dass die Narbe möglichst wenige Verwachsungen erzeugt, damit sie geschmeidig bleibt und auf den untenliegenden Gewebeschichten gut gleitet. Die Narbenbehandlung richtet sich nach der Belastbarkeit der Narbe. Nach Möglichkeit wird der Patient zur selbständigen Behandlung der Narbe angeleitet.

Schmerzen beim Atmen

Schmerzen bei der Atembewegung erschweren eine korrekte und vertiefte Atmung oft zusätzlich.  Deshalb sollte erst abgeklärt werden, was die Schmerzen verursacht. Atemabhängige Schmerzen können entstehen zum Beispiel bei:

Die Brustfellentzündung tritt meist als Folgeerkrankung auf, beispielsweise von Tuberkulose, Lungenentzündung (Pneumonie), Lungeninfarkten oder Lungenkrebs.

Bei der trockenen Pleuritis (Brustfellentzündung) reiben die empfindlichen Pleurablätter aufgrund der Entzündung gegeneinander und verursachen dadurch starke, atemabhängige Schmerzen.

Da die Atembewegung die Schmerzen auslöst, ist die Einnahme von Schmerzmitteln wichtig. Ist die Atmung schmerzhaft eingeschränkt, steigt besonders bei bettlägerigen Patienten, die Gefahr einer Lungenentzündung. Druck auf die schmerzhafte Stelle, verhilft trotz Schmerzen zu einer einigermassen tiefen Atmung.

Druck kann wie folgt ausgeführt werden:

  • Mit der flächigen Hand
  • Mit einer Bandage (grosses Tuch) um die Rippe (nicht dauerhaft)
  • Durch Seitenlagerung auf die betroffene, schmerzhafte Seite

Pleuraerguss

Kommt es im weiteren Verlauf der Brustfellentzündung zu einem Erguss zwischen den Lungenblättern (Pleuraerguss), klingen die schneidend stechenden Schmerzen ab, da die Reibung wegfällt. Im Gegenzug kann es zu Atemnot und einem Druckgefühl in der Brustgegend kommen. Die Atmung wird durch Hochlagern des Oberkörpers erleichtert.

Vorbeugung von Lungenentzündung (Pneumonieprophylaxe)

Wenig frische Luft und ein feuchttwarmes Klima bescheren Keimen ein vorzügliches Milieu. So verhält es sich auch in den schlecht belüfteten Bereichen der Lunge. Speziell gefährdet für eine Lungenentzündung (Pneumonie) sind bettlägerige Patienten, Patienten nach Operationen im oberen Rumpfbereich und solche, die nur noch oberflächlich zu atmen vermögen, zum Beispiel aufgrund eines Lungenödems oder starker, atemabhängiger Schmerzen.

Die Lungenentzündung ist eine ernste Erkrankung und gilt als eine der häufigsten Todesursachen unter den Infektionskrankheiten. Die Pneumonie stellt ausserdem eine der häufigsten im Krankenhaus erworbenen Infektionskrankheiten dar. Eine gute Prophylaxe ist deshalb äusserst wichtig.

Massnahmen zur Pneumonieprophylaxe

Die Massnahmen zur Prophylaxe richten sich immer nach Belastbarkeit und Schmerz des Patienten. Eine der wichtigsten Massnahmen ist der Lagewechsel, welcher der Lunge erlaubt, sich unterschiedlich zu entfalten. Mobilisationsstufen sind:

  • Lageveränderungen im Liegen (Seit-, Rücken-, ev. Halbbauchlage)
  • Dehnlagerungen im Liegen, Sitzen
  • Aufsitzen an den Bettrand
  • Aufstehen
  • Kurze Strecken gehen
  • Allgemein aktives Bewegen des ganzen Körpers und des Rumpfes im Speziellen aus allen Lagen

Die aktive Atemvertiefung verhilft zur Intensivierung der Ventilation (Belüftung). Dabei muss sich Tiefe und Geschwindigkeit der Atemzüge nach den Schmerzen und der Kondition des Patienten richten. Vertiefen lässt sich die Atmung beispielsweise durch:

  • Bewusst tiefe Atemzüge, mit leicht forcierter Aus- und Einatmung
  • Schnüffeln
  • Gähnatmung
  • Lachen

Dehnpositionen für den Brustkorb und Packegriffe verstärken die Atemvertiefung zusätzlich.

Behandlung bei Lungenödem

Das Lungenödem ist meist eine Folgeerkrankung. Durch das Ansammeln von Flüssigkeit in der Lunge, leidet der Patient an Atemnot, was die Atmung empfindlich beeinträchtigen kann. Deshalb ist es wichtig, nebst der Behandlung der zugrunde liegenden Krankheit und Sauerstoffgabe, dem Patienten die Atmung so weit wie möglich zu erleichtern:

 
  • Durch das Hochlagern des Oberkörpers entfaltet sich die Lunge besser und der Druck aufs Herz vermindert sich.
Hochlagerung hilft bei Atemnot
  • Die Wirbelsäule sollte so gerade wie möglich sein, damit diese die Lunge nicht komprimiert. Werden die Arme mit Kissen unterstürzt, hilft dies das Gewicht des Schultergürtels abzunehmen und damit dem Patienten zusätzlich die Atmung zu erleichtern.
  • Aufgestützte Füsse hindern den Patienten daran, im Bett runter zu rutschen und damit zusammen zu sinken (Gipfelihaltung).
  • Atemregulierende Massnahmen: Der Hauptaugenmerk liegt auf einer ruhigen Atmung. Auf Tiefe und Frequenz der Atmung kann erst eingegangen werden, wenn die Situation nicht mehr akut ist.

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