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Lungenerkrankungen - wie hilft Physiotherapie

Physiotherapie bei Atemwegserkrankung
Lungenerkrankungen - 
so hilft Physiotherapie

Bei Atemwegserkrankungen unterstützt die Physiotherapie die Lunge bei ihrer lebenswichtigen Funktion: dem Gasaustausch, also der Aufnahme von Sauerstoff und der Abgabe von Kohlendioxid.

Bei Patienten mit Lungenerkrankungen, stellt sich für die Physiotherapeuten die Frage, welche Faktoren die Atmung einschränken.

Für eine effektive Therapie müssen folgende Punkte geklärt werden:

Die wichtigsten Ziele der Therapie

Abhängig von der Erkrankung und der vorliegenden Störungen, sind die Ziele der therapeutischen Massnahmen:

  • Eine gute und gleichmässige Belüftung (Ventilation) der Lunge, um den Gasaustausch zu optimieren
  • Erleichterung der Atemarbeit, damit der Patient nicht unnötig ermüdet oder sich selbst schadet
  • Instruktion des Patienten (z.B. Inhalationsgeräte, Atemtechniken, Bewegung)

Eine gute Ventilation der Lunge ist nicht nur für die Sauerstoffzufuhr wichtig. Das Risiko von Lungeninfektionen ist bei schlechter Belüftung zusätzlich erhöht. (respiratorische Infektionen und bettlägerige Patienten)

Störungsursachen

Die Störungen, welche die Atmung beeinträchtigen können, lassen sich in drei Kategorien einteilen:

Kategorie Struktur  
Innere Mechanik ausserhalb der Bronchien  
innerhalb der Bronchien Sekret
Schwellung Spasmus
Zentrale und psychosoziale Störungen    
Äussere Mechanik Brustkorb (Thorax) Gelenke Knochen
neuromuskulär Pleura  


Einteilung der Atemwegserkrankungen (Funktionsstörung)

Grundsätzlich kann man die Atemwegserkrankungen in zwei Kategorien einteilen: obstruktive und restriktive Ventilationsstörungen. Diese Einteilung beschreibt die Ursache für eine beeinträchtigte Belüftung der Lunge.

Gewisse Lungenerkrankungen haben je nach Stadium sowie durch zusätzliche, beeinträchtigende Faktoren (z.B. Körperbau, Infektionen, weitere bestehende Krankheiten), Belüftungsstörungen beider Kategorien zur Folge. Der Therapeut untersucht jeweils, welche Aspekte die Belüftung am stärksten einschränken und richtet seine Behandlung danach.

Im Folgenden werden die zwei Kategorien der Ventilationsstörung aufgeführt und die wichtigsten Massnahmen beschrieben.

Obstruktive Ventilationsstörungen

Bei den obstruktiven Ventilationsstörungen sind die Atemwege vorübergehend oder chronisch verengt oder belegt, zum Beispiel durch Bronchospasmus (Verkrampfen der Atemwege), Schleimhautschwellung oder durch Sekretansammlung. Dies erhöht den Strömungswiderstand bei der Aus- und/oder Einatmung und erschwert die Atmung.

Folgende häufige Lungenerkrankungen verursachen obstruktive Ventilationsstörungen (die Liste ist nicht vollständig):

Akute Erkrankungen

Chronische Erkrankungen

Restriktive Ventilationsstörungen

Erkrankungen, die zu einer vorübergehenden oder definitiven Einschränkung der Blähungs- und Belüftungsfähigkeit der Lunge führen, nennt man restriktive Ventilationsstörungen.

Die Lunge kann sich dabei durch krankhafte Veränderungen des Lungengewebes nicht mehr vollständig ausdehnen oder verliert an Flexibilität durch äussere Faktoren, wie verminderte Funktion der Atemmuskulatur oder Veränderungen des Skeletts  Durch diese Einschränkungen vermindert sich das Atemvolumen. Die operative Entfernung einer Lunge oder auch die Teilentfernung vermindert ebenfalls das Atemvolumen.

Zu restriktiven Ventilationsstörungen führen folgende Krankheiten:

Leitsymptome: Erkennen von Risikosituationen

Zu den Leitsymptomen gehören bei Atemerkrankungen

Diese Leitsymptome sind nicht nur wichtig für die physiotherapeutische Beurteilung, sondern auch für das Erkennen von Risikosituationen.

Dyspnoe, Atemnot

Als Dyspnoe wird die vom Patienten subjektiv empfundene Atemnot bezeichnet. Das heisst: Der Patient muss bei unterschiedlicher Belastung die schwere der Atemnot selbst beschreiben. Relevant wird die Dyspnoe nur, wenn sie bei einer zu tiefen Belastungsschwelle auftritt.

Die Einteilung der Dyspnoe kann nach einer subjektiven Skala wie der Borgskala erfolgen oder nach der Belastungsschwelle, bei der die Dyspnoe auftritt.(Dyspnoe-Skala der American Thoracic Society)

Borgskala

Skalenwert Dyspnoe                
6 Überhaupt keine
7 Extrem leicht
8 -
9 Sehr leicht
10 -
11 Leicht
12 -
13 Etwas anstrengend
14 -
15 Schwer
16 -
17 Sehr schwer
18 -
19 Extrem schwer
 

 

Dyspnoeskala

Klasse

Schweregrad

Beschreibung

0 keine Dyspnoe keine Beschwerden beim raschen Gehen in der Ebene oder Gehen mit leichter Steigung
1 mild Kurzatmigkeit beim raschen Gehen in der Ebene oder Gehen mit leichter Steigung
2 mässig aufgrund von Kurzatmigkeit langsamerer Gang in der Ebene als Altersgenossen oder Pausen zum Atemholen auch bei eigenem Schrittempo
3 schwer Pausen zum Atemholen nach einigen Minuten oder etwa 100m im
4 sehr schwer zu kurzatmig um das Haus zu verlassen. Atemnot beim An- und Ausziehen


 

Husten

Der Husten ist das häufigste Symptom bei Lungenerkrankungen. Grundsätzlich sollte jeder länger andauernde Husten (>3-4 Wochen) ärztlich abgeklärt werden, da er dann als krankhaft gilt. In der folgenden Tabelle werden einige grobe Anhaltspunkte zum Husten vermittelt:

Charakteristikum

Hinweis für

akut (< 3 Wochen) meist ein Infekt der Atemwege.
Vorsicht: Husten kann Anzeichen für potentiell lebensbedrohliche Erkrankungen sein (Herzinsuffizienz, Lungenembolie, Aspiration (Fremdkörper in Lunge) Perikarditis (Herzbeutel-Entzündung))
mit atemabhängigen Schmerzen Pleuritis
chronisch (> 3 Wochen) meist nicht in erster Linie ein Infekt, sollte abgeklärt werden (Asthma, Tumor, Fibrose, Schleimhautreizungen)
nächtlich Asthma bronchiale, Linksherzinsuffizienz
chronisch (> 3 Wochen), klinisch, radiologisch und bei Lungenfunktionstest (Spirometrie) unauffällig niederschwellig reizbare Bronchien, chronische Entzündung der oberen Atemwege, chronische Bronchitis, gastroösophagaler Reflux, ACE-Hemmer, ?-Blocker, psychogener Husten
Auswurf generell Infekt, Bronchitis, Bronchiektasen, Cystische Fibrose
Auswurf, schleimig Virusinfektion, chronische Bronchitis
Auswurf, eitrig eitriger Atemwegsinfekt
Auswurf, zähflüssig Asthma bronchiale
Auswurf wässrig/ schaumig/bei Lagewechsel Aspiration (Fremdkörper in Lunge), Fistel, Bronchiektasen
Auswurf blutig Sollte immer ärztlich abgeklärt werden. Bei grösseren Mengen Blut sollte sogar der Notfall aufgesucht werden.


 

Schmerzen der Brustwand, Thoraxschmerzen

Schmerzen im Brustwandbereich sind ein Leitsymptom für Störungen der äusseren Mechanik, da die kleinen Atemwege, das Lungengewebe und die innere Pleura keine Schmerzsensoren besitzen und damit nicht direkt Schmerz auslösen können. Hingegen sind mit Schmerzsensoren ausgestattet:

  • die äussere Pleura
  • die grossen Pulmonalarterien
  • der Herzmuskel
  • die Speiseröhre und
  • die Brustwandstrukturen (Knochenhaut, Muskulatur, Gelenkstrukturen)

Die unterschiedlichen Schmerzqualitäten und Schmerzlokalisationen sind von der Ursache abhängig.

Blauanlaufen, Zyanose

Als Zyanose bezeichnet man die bläuliche Verfärbung der Haut und der Schleimhäute durch eine erhöhte Konzentration von sauerstoffarmem Blut. Sie deutet zuverlässig auf eine mangelnde Versorgung des Gewebes mit Sauerstoff. Bei Blutarmut (Anämie) ist eine Zyanose allerdings sehr selten sichtbar.

Respiratorische Infektionen

Infektionen werden durch ein geschwächtes Immunsystem begünstigt. Normalerweise sind Luftröhre, Bronchien und Lunge keimfrei, da eindringende Erreger laufend mit dem Sekretstrom nach oben transportiert oder durch eine Reihe von Abwehrmechanismen ausgeschalten werden. Können sich aber Viren, Bakterien, Pilze oder andere Erreger in den Atmungsorganen ausbreiten, liegt eine Infektion vor.

Bei allen Infektionskrankheiten ist eine medikamentöse Behandlung gegen die Erreger die wichtigste Therapie. Die Physiotherapie wirkt unterstützend für die Ventilation der Lunge und die Schleimförderung.

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